Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.

Mit unserem Kinder- und Jugendärzt*innen-Netz bieten wir Ihnen und Ihren Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre die bestmögliche ambulante Gesundheitsversorgung mit einheitlich hohen Qualitätsstandards. Die enge Kooperation untereinander und mit stationären und ambulanten Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin ermöglicht es, die netzinternen Fachkompetenzen und die ambulanten Untersuchungs- und Therapieverfahren sinnvoll zu nutzen und die Zahl und Dauer der Klinikaufenthalte gering zu halten. Machen Sie sich ein Bild von unserem Leistungsspektrum.

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Auf den nächsten Seiten erhalten Sie praktische medizinische Tipps, Adressen für den Notfall, das Verzeichnis der Mitgliedspraxen des Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V.  und Informationen über wichtige Termine, Aktivitäten und Informationsquellen.

Wichtige Hinweise:

Durch u.g. Maßnahmen sind Sie und Ihr Kind vor Ansteckung in den Praxen geschützt!
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  • Essprobleme bei Autismus: Constructor University entwickelt hocheffektive Therapie

    Wählerisches Essverhalten – das sogenannte „Picky Eating“ – ist eine Herausforderung, die den meisten Eltern vertraut ist. Für Familien mit autistischen Kindern kann extremes selektives Essen den Alltag jedoch enorm belasten und bei Kindern bereits in jungen Jahren zu schweren Nährstoffmängeln führen. Das von Bajaa entwickelte „Schmetterling Nutritional Behavior Intervention (NBI)“-Programm hilft Familien im Umgang mit diesen Problemen und erzielte bereits im Laufe von nur 10 Wochen drastische Verbesserungen bei der Vielfalt des Speiseplans und der Nährstoffaufnahme.

    Die Etablierung dauerhafter und gesunder Ernährungsgewohnheiten ist für viele Familien mit autistischen Kindern eine erhebliche Hürde. Die Verweigerung von Nahrung und ein stark eingeschränkter Speiseplan führen in entscheidenden Entwicklungsphasen des Kindes oft zu Mangelerscheinungen und sorgen für einen dauerhaft hohen Stresspegel sowie Konflikte im Zuhause. Die neue Studie von Bajaa bietet Eltern und Pflegekräften, die mit extrem selektivem Essverhalten kämpfen, einen vielversprechenden Hoffnungsschimmer. Die Untersuchung unterstreicht die Wirksamkeit des NBI-Programms – einer kreativen und flexiblen Therapiemethode, die in drei Familien mit autistischen Kindern und schwerwiegenden Essstörungen getestet wurde. Die für die Studie ausgewählten Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren ernährten sich zu Beginn fast ausschließlich von verarbeiteten Lebensmitteln wie Chips und Süßigkeiten, während sie Obst und Gemüse systematisch verweigerten.

    Das 10-wöchige Programm umfasste 28 Sitzungen und basiert auf einem Co-Therapeuten-Modell. Durch die gezielte Schulung der Eltern parallel zu den professionellen Therapeut*innen wurde sichergestellt, dass Verhaltenstechniken wie positive Bestärkung und die schrittweise Heranführung an neue Lebensmittel nahtlos vom therapeutischen Umfeld in den Alltag zu Hause übertragen werden konnten. Zudem integrierte das Programm innovative sensorische und körperliche Strategien. Dazu gehörten Bewegungseinheiten vor den Mahlzeiten sowie Motivationsvideos mit essenden Tierbabys, um die Abneigung der Kinder gegen neue Texturen und Geschmacksrichtungen zu senken.

    „Indem wir Eltern dazu befähigen, als Co-Therapeuten zu agieren, schaffen wir einen zugänglicheren und nachhaltigeren Weg für Familien“, erklärt Bajaa. „Diese Forschung beweist, dass wir die Lebensqualität von Kindern mit Autismus durch den richtigen neurophysiologischen und verhaltenstherapeutischen Rahmen erheblich verbessern können.“

    Die Studie dokumentierte signifikante quantitative Verbesserungen des Essverhaltens:

    • Signifikanter Anstieg der Lebensmittelakzeptanz: Die Bereitschaft der Kinder, neue Lebensmittel zu probieren, stieg von anfangs 8–15 % auf erstaunliche 76–91 %.
    • Weniger Konflikte bei den Mahlzeiten: Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Essen verringerten sich um 41–67 %.
    • Nachhaltige Entwicklung: Alle drei Teilnehmenden zeigten eine gesunde Gewichtszunahme und hielten ihre Fortschritte auch nach Abschluss des Programms.
    • Geringere Symptomintensität: Bemerkenswerterweise verbesserten sich im Laufe der Intervention auch die Gesamtwerte für die Schwere der Autismus-Symptome.

    Ein weiterer zentraler Bestandteil der Forschung, die von Prof. Ahmed A. Karim, Prof. Dr. Thomas Lang, Prof. Dr. Ben Godde, Prof. Dr. Martin Hautzinger und Dr. Basel Allozy unterstützt wurde, umfasste neurophysiologische Untersuchungen. Durch die Analyse hirngesteuerter Reaktionen während der Beschäftigung mit Lebensmitteln erlangte das Team ein tieferes Verständnis für die Mechanismen, die das selektive Essverhalten bei Kindern mit ASS antreiben.

    Diese Erkenntnisse bildeten das Fundament für das umfassendere „Schmetterling Programm“. Das integrative Modell umfasst neun therapeutische Dimensionen – darunter Hydrotherapie, Reittherapie und Psychodrama –, die als sequentielles System aufgebaut sind. Jede Phase des Programms baut auf der vorherigen auf, um die Entwicklung des Kindes in einem ganzheitlichen, strukturierten Umfeld zu fördern.

    Das von Bajaa während ihres Masterstudiums konzipierte Schmetterling Programm wurde an der Constructor University einer strengen empirischen Überprüfung und wissenschaftlichen Verfeinerung unterzogen. Es bietet damit einen vielversprechenden neuen Standard für die pädiatrische Intervention bei ASS.

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    Maike Lempka - Corporate Communications, Constructor University

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    Quellen: idw-online.de, Constructor University, Journal of Eating Disorders

  • Grundschüler: Besitz eines Mobiltelefons beeinflusst Lesefähigkeiten negativ

    Ob die Kinder ihr Mobiltelefon in der Schule bei sich trugen oder nicht, spielte für das Testergebnis keine Rolle. Vielmehr stand der Besitz des Telefons an sich mit einem schlechteren Leseverständnis in Zusammenhang, so die Forschenden.

    „Kinder, die ihr Telefon mit in die Schule brachten, erzielten dieselben Leseergebnisse wie Kinder, die an diesem Tag kein Telefon in der Schule dabei hatten“, erklärte die leitende Forscherin Patricia Greenfield in einer Pressemitteilung.

    „Es ist also der Besitz eines Telefons – und nicht dessen unmittelbare Anwesenheit –, der im Grundschulalter mit einem schlechteren Leseverständnis korreliert“, sagte Greenfield. Sie ist Professorin für Psychologie an der University of California, Los Angeles.

    Die Wissenschaftler*innen machten diese überraschende Entdeckung im Rahmen eines Experiments, mit dem untersucht werden sollte, ob Handyverbote an Schulen die Lernleistungen von Schülern verbessern könnten.

    Um festzustellen, ob Mobiltelefone die für gute Prüfungsergebnisse erforderliche Konzentration beeinträchtigen, baten die Forscher 55 Sechstklässler und 51 Drittklässler im Los Angeles County, einen Test zum Leseverständnis zweimal zu absolvieren.

    Von diesen 106 Kindern gaben 60 an, ein eigenes Mobiltelefon zu besitzen – darunter 22 Drittklässler und 38 Sechstklässler. Am Tag des Experiments hatten 37 der Kinder ihr Telefon mit in die Schule gebracht.

    Bei einem der Tests wurden die Schüler, die ihr Telefon mitgebracht hatten, gebeten, es während der Bearbeitung offen neben sich liegen zu lassen. Beim anderen Test wurden sie aufgefordert, ihre Telefone wegzulegen.

    Die Ergebnisse zeigten, dass es keinen Unterschied machte, ob das Mobiltelefon während des Tests offen dalag oder nicht. Die Kinder erzielten in etwa dieselben Ergebnisse, unabhängig davon, ob das Telefon neben dem Testbogen lag oder nicht.

    Der Besitz eines eigenen Mobiltelefons hatte jedoch einen Einfluss auf die Leseergebnisse. Kinder, die ein Telefon besaßen, zeigten ein schlechteres Leseverständnis als Kinder ohne eigenes Telefon.

    „Daraus lässt sich schließen, dass Eltern, denen die Lesefähigkeiten ihrer Kinder am Herzen liegen, darauf verzichten sollten, ihren Kindern bereits in der Grundschulzeit ein eigenes Mobiltelefon zu geben“, schrieben die Autor*innen in ihrer Studie. Sie stellten fest, dass das Alter, in dem ein Kind sein erstes Handy erhielt, keinen Einfluss auf die Testergebnisse zu haben schien.

    „Wir haben festgestellt, dass es kein bestimmtes Alter gibt, in dem die Anschaffung eines Handys für das Kind besser oder schlechter für das Leseverständnis wäre; entscheidend ist lediglich, ob das Kind überhaupt ein Handy besitzt“, sagte Greenfield. „Das gilt sowohl für die dritte als auch für die sechste Klasse.“

    Das Forschungsteam konnte nicht erklären, warum der Besitz eines Handys die Lesefähigkeiten von Grundschülern beeinträchtigen könnte.

    „Es bedarf Längsschnittstudien, um zu klären, ob eine frühe Handynutzung die spätere Entwicklung des Leseverständnisses beeinflusst, ob Kinder mit besseren Lesefähigkeiten eher bestimmte handybezogene Aktivitäten ausüben und ob beide Aspekte von nicht erfassten Drittvariablen beeinflusst werden“, schrieben die Forscher.

    Kinder mit Migrationshintergrund könnten durch das Schreiben von Textnachrichten lernen

    Die Expert*innen stießen jedoch auf eine positive Erkenntnis für Kinder aus Haushalten, in denen nicht Englisch gesprochen wird: Je früher diese Kinder begannen, ihr Handy zum Schreiben von Textnachrichten zu nutzen, desto besser war ihr Leseverständnis.

    „Wenn ein Kind ein Handy besitzt und aus einer Familie kommt, in der zu Hause kein Englisch gesprochen wird, wirkt es sich positiv auf das Leseverständnis aus, wenn es früher statt später mit dem Schreiben von Textnachrichten beginnt“, erklärte Greenfield. „Tatsächlich wiesen Schüler aus arabisch- oder spanischsprachigen Haushalten, die bereits in der zweiten oder dritten Klasse mit dem Schreiben von Textnachrichten begannen, in der sechsten Klasse ein ähnliches Leseverständnis auf wie ihre Mitschüler, die noch kein Handy besaßen.“

    Quellen: HealthDay, University of California, Behavioral Sciences

  • Der Bauernhof-Effekt, so klar wie nie zuvor

    Kinder, die in einer bäuerlichen Umgebung aufgewachsen sind, bekommen weniger Allergien, Heuschnupfen und Asthma als Stadtkinder. Dieser sogenannte Bauernhofeffekt wurde in mehreren Beobachtungsstudien weltweit ermittelt. Höchstwahrscheinlich ist er darauf zurückzuführen, dass diverse Bakterien aus der Stallluft überschießende Entzündungsreaktionen des Immunsystems verhindern, wie sie für Allergien, Heuschnupfen und Asthma kennzeichnend sind. Aber welche Bakterien genau? Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Prof. Dr. Markus Ege vom Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums und dem Institut für Asthma- und Allergieprävention am Helmholtz Munich haben erstmals gezeigt, „welche Bakterien in der Stallluft den Bauernhofeffekt auslösen, welche Stoffe der Bakterien ihn vermitteln und an welchen Rezeptoren im Körper sie andocken, um ihre potenzielle schützende Wirkung zu entfalten.“ Die Ergebnisse wurden im Fachblatt „New England Journal of Medicine - Evidence“ veröffentlicht.

    Seit Jahren liest man immer wieder von der Hygienehypothese. Sie war 1989 entstanden, nachdem drei Jahrzehnte lang ein dramatischer Anstieg von Allergien, Heuschnupfen und Asthma bei Kindern in westlichen Industrienationen beobachtet worden war. Alles Erkrankungen, bei denen das Immunsystem entzündlich überreagiert und körpereigene Strukturen angreift. Warum? Aus Unterforderung in der frühen Kindheit - besagt die Hygienehypothese: Das Abwehrsystem von Kindern, die zu wenig mit Umweltkeimen und banalen Schnupfenviren konfrontiert sind, läuft leichter fehl. „Mädchen und Jungen, die auf Bauernhöfen aufgewachsen und einer großen Vielfalt von Mikroben ausgesetzt sind, haben das Problem deutlich seltener“, sagt Prof. Markus Ege. Denn ihr Immunsystem ist ständigen bakteriellen Sparringspartnern aus der Stallluft ausgesetzt und wird damit so trainiert, dass überschießende Entzündungsreaktionen vermieden werden.

    Eindeutig bewiesen ist die Hygienehypothese allerdings nicht. Denn sie beruht weitgehend auf Beobachtungsstudien. „Diese können nur mehr oder weniger überzeugend Zusammenhänge nahelegen“, sagt Epidemiologe Ege: „Aber mit unserer neuen Studie können wir das nun sehr plausibel tun, weil wir die einzelnen Glieder der vermuteten Kausalkette benennen können: Bakterien, die beteiligten Stoffwechselprodukte der Mikroben und menschliche Rezeptoren.“

    Wie vorgegangen wurde

    Die Forschenden nutzten die Daten von über 1.000 Kindern aus großen europäischen Studien in ländlichen Regionen. Von allen Mädchen und Jungen lagen zwei Arten von Proben vor: Nasenabstriche und Staub aus der Matratze. Zusätzlich wurden bei 47 Bauernhofkindern Staubproben aus Kuhställen genommen. Die Forschenden haben dann geschaut, welche Bakterien und Pilze in diesen Proben vorkommen, wie diese Mikroorganismen zusammenhängen und ob bestimmte Mikroben-Gruppen die Mädchen und Jungen vor Asthma schützen.

    Dafür verwendeten die Epidemiologen und Bioinformatiker moderne Gen- und Stoffwechselanalysen und entwickelten am Computer Modelle. Durch eine Art Ausschlussverfahren kamen sie letztlich den entscheidenden Mikroorganismen auf die Schliche. Zusätzlich prüften sie, ob Gene der Kinder diesen Schutz beeinflussen. Zur Bestätigung nutzten die Expert*innen außerdem Daten aus Frankreich und Finnland.

    Die Ergebnisse

    „Wir haben wenige Bakterien identifiziert, die wir nun bis auf Spezies-Ebene genau benennen können“, sagt Giuila Pagani, Erstautorin der Studie und Bioinformatikerin am Institut für Asthma- und Allergieprävention bei Helmholtz Munich, „zum Beispiel Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis. Diese sogenannten gram-positiven Bakterien vermitteln zusammen zwei Drittel des gesamten Bauernhofeffekts auf Asthma und zur Hälfte auf Heuschnupfen und Neurodermitis.“ Die Bakterien stammen aus dem Verdauungstrakt der Kuh, wo sie Stoffe wie Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure produzieren oder verstoffwechseln, die leicht eingeatmet und von den zwei Rezeptoren AhR und PPARy auf den menschlichen Atemwegszellen erkannt werden können. „Diese Rezeptoren“, erklärt Ege weiter, „haben vielfältige Funktionen unter anderem im Immunsystem, sie verhindern vermutlich eine überschießende Entzündungsreaktion.“ Ihre Rolle im Bauernhof-Effekt war zuvor nicht bekannt. Zum ersten Mal ist mithin die gesamte biologische Kette sichtbar: Kuh → Stallluft → Bakterien → Stoffwechselprodukte → menschliche Rezeptoren → Schutz vor Asthma.

    Die neuen Erkenntnisse können jetzt von Laborforschern genutzt werden, um die molekularen und zellulären Mechanismen des Bauernhof-Effekts zu entschlüsseln. Das eröffnet die Perspektive, ein Medikament zu entwickeln, das den Bauernhof-Effekt nachahmt - ohne dass sich Kinder dafür im Kuhstall aufhalten müssen.

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    Philipp Kressirer - Kommunikation und Medien, LMU Klinikum München
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    Quellen: idw-online.de, LMU Klinikum München, NEJM Evidence