Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.
Mit unserem Kinder- und Jugendärzt*innen-Netz bieten wir Ihnen und Ihren Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre die bestmögliche ambulante Gesundheitsversorgung mit einheitlich hohen Qualitätsstandards. Die enge Kooperation untereinander und mit stationären und ambulanten Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin ermöglicht es, die netzinternen Fachkompetenzen und die ambulanten Untersuchungs- und Therapieverfahren sinnvoll zu nutzen und die Zahl und Dauer der Klinikaufenthalte gering zu halten. Machen Sie sich ein Bild von unserem Leistungsspektrum.
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Kuscheln direkt nach der Geburt hilft! Hautkontakt zwischen Mutter und Neugeborenem wirkt positiv
Dem Review zufolge wurden etwa 82% der Säuglinge, die direkten Hautkontakt zu ihrer Mutter hatten, mindestens die ersten sechs Wochen lang voll gestillt – und in einigen Studien sogar bis zu einem halben Jahr. Zum Vergleich: Von den Säuglingen ohne Hautkontakt nach der Geburt waren es nur 59%. Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten bringt Müttern und Kindern viele gesundheitliche Vorteile. Zudem wirkt der Hautkontakt nach der Geburt wahrscheinlich stabilisierend auf mehrere wichtige Werte, die etwas über den Gesundheitszustand des Neugeborenen aussagen – nämlich auf Körpertemperatur, Blutzucker, Atmung und Herzfrequenz.
„Früher wurden Babys unmittelbar nach der Geburt für Routineverfahren wie körperliche Untersuchung, Wiegen und Baden von ihren Müttern getrennt. Das verhindert einen unmittelbaren Haut-zu-Haut-Kontakt“, sagte Elizabeth Moore, Erstautorin des Cochrane Reviews und emeritierte außerordentliche Professorin an der „School of Nursing“ der Vanderbilt Universität in Nashville (USA). „Selbst in Ländern mit sehr guter Versorgung ist diese kostenlose und leicht umsetzbare Maßnahme keine gängige Praxis.“
Das Team um Elizabeth Moore hat übrigens auch untersucht, wie sich ein direkter Hautkontakt auf die Mutter auswirkt – also ob er beispielsweise ihren Blutverlust oder den Zeitpunkt der Plazentageburt beeinflusst. Bei diesen Fragen ist die Datenlage allerdings nicht gut genug für verlässliche Aussagen.
Und apropos Verlässlichkeit: Warum können die Cochrane-Autor*innen eigentlich nur sagen, dass der direkte Hautkontakt „wahrscheinlich“ positiv wirkt – und nicht, dass er „sicher“ positiv wirkt? Das hat etwas mit der Qualität der Studien zu tun, die sie für ihre Übersichtsarbeit ausgewertet haben: Sie genügten nämlich nicht immer den strengsten wissenschaftlichen Standards. So wussten die Mütter natürlich, ob ihnen ihr Kind direkt nach der Geburt auf die Brust gelegt wurde oder nicht – und das könnte ihr Stillverhalten beeinflusst haben. Diese mangelnde Verblindung der Mütter ist unvermeidbar, aber wurde von den Cochrane- Autor*innen als eine von mehreren methodischen Schwächen bewertet. Deswegen stuften die Autor*innen die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz herab. Und das führte bei diesem Cochrane Review dazu, dass die Ergebnisse nicht als „sicher“, sondern eben nur als „wahrscheinlich“ gelten.
Trotz der Vorbehalte ziehen die Autoren des aktuellen Reviews ein klares Fazit: Die Evidenz zugunsten des unmittelbaren Haut-zu-Haut-Kontakts ist aus ihrer Sicht so deutlich, dass sie davon abraten, weitere randomisierte Studien durchzuführen. Dabei dürften die Mütter und Neugeborenen in der Kontrollgruppe nämlich nach der Geburt keinen Hautkontakt haben. Und den Hautkontakt empfiehlt mittlerweile selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Standard, argumentieren die Autor*innen. „Den Haut-zu-Haut-Kontakt vorzuenthalten, wäre heute als unethisch anzusehen, da es ausreichende Evidenz gibt, dass der direkte Kontakt die Gesundheit und das Überleben von Neugeborenen verbessert“, betonte Karin Cadwell, Senior-Autorin sowie Geschäftsführerin und leitende Dozentin des „Healthy Children Project’s Center for Breastfeeding“ in den USA. „Während die für unseren Review geeigneten Studien nicht das Überleben betrachteten, haben Forschungsarbeiten in ressourcenarmen Umgebungen gezeigt, dass dieser direkte Kontakt bei Neugeborenen mit geringem Geburtsgewicht über Leben und Tod entscheiden kann. Eine große Studie in Krankenhäusern in Indien und mehreren afrikanischen Ländern wurde frühzeitig gestoppt, als vorläufige Daten zeigten, dass Haut-zu-Haut-Kontakt das Überleben signifikant verbessert.“
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Mirjam Mischke-Stöckel, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Cochrane Deutschland
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Quellen: idw-online, Cochrane Deutschland, Cochrane Database of Systematic Reviews -
RSV-Prophylaxe für Neugeborene und Säuglinge empfohlen
Infektionen mit respiratorischen Synzytial-Viren (RSV) können bei Säuglingen lebensgefährliche Auswirkungen haben. Daher empfiehlt die STIKO für Neugeborene und Säuglinge einen RSV-Schutz, um diese Risikogruppen vor schweren RSV-bedingten-Atemwegsinfektionen und damit vor Krankenhausaufenthalten und Todesfällen zu schützen. Außerdem können so stationäre sowie ambulante Versorgungsengpässe verhindert werden.
Früher RSV-Schutz ist wichtig
Die RSV-Prophylaxe erfolgt mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab als Einmaldosis in der 1. von Neugeborenen und Säuglingen erlebten RSV-Saison (üblicherweise zwischen Oktober und März). Erstmalig spricht damit die STIKO eine Prävention mit monoklonalen Antikörpern als Standardempfehlung aus. Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollen Nirsevimab möglichst im Herbst vor Beginn ihrer 1. RSV-Saison erhalten. Neugeborene, die während der RSV-Saison geboren werden, sollen Nirsevimab möglichst rasch nach der Geburt bekommen, idealerweise bei Entlassung aus der Geburtseinrichtung. Hierzu bietet sich die Vorsorgeuntersuchung U2 an, die am 3. bis 10. Lebenstag durchgeführt wird. Eine versäumte Nirsevimab-Gabe soll innerhalb der 1. RSV-Saison schnellstmöglich nachgeholt werden.
Die Empfehlung zur Prophylaxe mit Nirsevimab betrifft insbesondere auch Neugeborene und Säuglinge mit bekannten Risikofaktoren für eine schwere RSV-Infektion wie zum Beispiel Frühgeburtlichkeit oder schwere Herzfehler. Für diese Risikogruppe bietet Nirsevimab eine Alternative zur bisher gängigen Immunisierung mit Palivizumab.
RSV-Infektionen sind häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen bei Säuglingen
Bei Säuglingen in Deutschland sind RSV-Infektionen die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen. Neugeborene und Säuglinge sind vor allem in ihren ersten sechs Lebensmonaten besonders gefährdet, schwer an RSV zu erkranken. Die große Mehrheit der schweren RSV-Erkrankungen tritt bei zuvor gesunden Säuglingen auf.
Nirsevimab ist ein Antikörper, der nach Verabreichung einen sofortigen Schutz gegen RSV-Erkrankungen bietet und bei zeitgerechter Gabe über die gesamte 1. RSV-Saison schützt. Nirsevimab ist sicher und wird in der Regel gut vertragen. Die RSV-Prophylaxe kann gleichzeitig mit oder in beliebigem Abstand zu den im Säuglingsalter von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen verabreicht werden.
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Pflanzliche Ernährung bei Kindern: Größte Studie ihrer Art beleuchtet Vorteile und Risiken
Die umfangreiche Studie ergab, dass vegane und vegetarische Ernährung nährstoffreich sein und ein gesundes Wachstum unterstützen können. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass auch ein Risiko für Mangelerscheinungen bei dieser Ernährungsweise besteht, wenn Kinder wichtige Nährstoffe nicht über angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel erhalten.
Die in „Critical Reviews in Food Science and Nutrition“ veröffentlichte Studie legt zudem nahe, dass pflanzliche Ernährung im Vergleich zu einer omnivoren Ernährung mit Fleisch, Fisch und anderen tierischen Produkten zusätzliche gesundheitliche Vorteile für Kinder bieten kann – darunter ein verbessertes kardiovaskuläres Risikoprofil bzw. ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Bisher umfangreichste Untersuchung zu diesem Thema
Diese umfangreiche Metaanalyse ist die bisher umfassendste Studie zu pflanzlicher Ernährung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Sie wertete Daten aus 59 Studien in 18 Ländern aus. Verglichen wurden lakto-ovo-vegetarische (Milchprodukte und Eier, aber kein Fleisch, Fisch und Geflügel) und vegane Ernährung (alle tierischen Produkte ausschließend) mit omnivorer Ernährung. Untersucht wurden verschiedene Ernährungs- und Gesundheitsindikatoren bei 7.280 lakto-ovo-vegetarischen, 1.289 veganen und 40.059 omnivoren Kindern.
Die Studie ergab, dass vegetarische Kinder mehr Ballaststoffe, Eisen, Folsäure, Vitamin C und Magnesium zu sich nahmen als omnivore Kinder, jedoch weniger Energie, Protein, Fett, Vitamin B12 und Zink. Obwohl die Datenlage zu veganer Ernährung begrenzter war, zeigten sich ähnliche Muster.
Problematisch: Vitamin B12, Kalzium, Jod und Zink
„Vitamin B12 erreichte ohne Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel keine ausreichenden Werte, und die Zufuhr von Kalzium, Jod und Zink lag oft im unteren Bereich der empfohlenen Referenzmengen. Daher sind diese Nährstoffe für Kinder mit pflanzlicher Ernährung besonders wichtig“, erklärte die Co-Autorin der Studie, Dr. Jeannette Beasley, außerordentliche Professorin an den Abteilungen für Ernährungswissenschaften und Medizin der New York University. „Insbesondere vegane Kinder wiesen eine besonders niedrige Kalziumzufuhr auf.“
Gesundheitliche Vorteile
Trotz dieser Risiken wiesen sowohl vegane als auch vegetarische Kinder im Vergleich zu „Allesessern“ ein günstigeres kardiovaskuläres Gesundheitsprofil auf, mit niedrigeren Gesamtcholesterin- und LDL-Cholesterinwerten – dem „ungesunden“ Cholesterin.
Messungen des Wachstums und der Körperzusammensetzung zeigten, dass Kinder mit pflanzlicher Ernährung tendenziell schlanker waren als „Allesesser“: Vegetarische Kinder waren etwas kleiner und leichter, mit einem niedrigeren Body-Mass-Index (BMI), einer geringeren Fettmasse und einem niedrigeren Knochenmineralgehalt. Vegane Kinder waren ebenfalls kleiner und hatten niedrigere BMI-Werte.„Unsere Analyse der aktuellen Studienlage legt nahe, dass gut geplante und angemessen ergänzte vegetarische und vegane Ernährungsweisen den Nährstoffbedarf decken und ein gesundes Wachstum bei Kindern fördern können“, fasste die Hauptautorin Dr. Monica Dinu zusammen. Sie erforscht am Institut für Experimentelle und Klinische Medizin der Universität Florenz in Italien, wie Ernährung Gesundheit und Wohlbefinden beeinflusst.
Informierte Entscheidung mit Planung und Unterstützung von Fachkräften wichtig
Pflanzliche Ernährungsweisen sind für Kinder durchaus machbar und bieten sowohl ökologische als auch gesundheitliche Vorteile. Sie empfehlen Eltern, diese Ernährungsformen mit fundierter Planung anzugehen und, wenn möglich, Unterstützung von Fachkräften wie Ernährungsberater*innen und Kinder- und ärzt*innen in Anspruch zu nehmen. Durch die Berücksichtigung einiger weniger wichtiger Nährstoffe können diese Ernährungsformen den Bedarf von Kindern in Wachstumsphasen vollständig decken und gleichzeitig ernährungsbedingte Risiken reduzieren.
„Wir hoffen, dass diese Ergebnisse eine klarere Orientierungshilfe zu den Vorteilen und potenziellen Risiken pflanzlicher Ernährung bieten und so der wachsenden Zahl von Eltern helfen, die sich aus gesundheitlichen, ethischen oder ökologischen Gründen für diese Ernährungsformen entscheiden“, fügte Dr. Dinu hinzu.
Einschränkung: Keine exakte Erfassung der Nahrungsaufnahme
Die Forscher*innen schränken ein, dass die Ergebnisse aufgrund des Querschnittdesigns der meisten einbezogenen Studien, der unterschiedlichen Methoden und untersuchten Populationen sowie der Schwierigkeiten bei der genauen Erfassung der Nahrungsaufnahme von Kindern nur bedingt aussagekräftig sind.
„Zusammenfassend lässt sich sagen“, so Mitautor Dr. Wolfgang Marx vom Food & Mood Center der Deakin University in Australien, „dass gut geplante vegetarische und vegane Ernährungsweisen zwar für Erwachsene ernährungsphysiologisch ausreichend und vorteilhaft sind, ihre Eignung für Kinder jedoch deutlich weniger klar ist – was zu uneinheitlichen oder gar widersprüchlichen Empfehlungen für Eltern führt.“
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ein ausgewogener Ansatz unerlässlich ist, bei dem Familien auf bestimmte Nährstoffe – insbesondere Vitamin B12, Kalzium, Jod, Eisen und Zink – achten sollten, um sicherzustellen, dass ihre Kinder alles erhalten, was sie für eine gesunde Entwicklung benötigen.“
Quellen: medicalXpress, Critical Reviews in Food Science and Nutrition