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wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.
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Starkes Übergewicht im Jugendalter ist möglicherweise besser bekämpfbar als bisher angenommen
Eine im „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlichte Studie zeigte, dass Jugendliche über eine gewisse metabolische (Stoffwechsel-) Flexibilität verfügen, die im Erwachsenenalter weitgehend verloren geht. Die Ergebnisse der Forschenden von der Duke University School of Medicine deuten darauf hin, dass die Reaktion des jugendlichen Körpers auf Übergewicht grundlegend anders und potenziell besser umkehrbar ist.
„Lange Zeit neigte die Medizin dazu, Jugendliche wie kleine Erwachsene zu behandeln“, sagte John Rawls, Ph.D., Professor für Molekulargenetik und Mikrobiologie sowie Mitglied des Duke Microbiome Center. „Doch Jugendliche befinden sich noch im Wachstum, bauen Muskeln und Knochen auf und nutzen Energie auf eine andere Weise als Erwachsene. Wir wollten verstehen, wie diese Unterschiede die Ausprägung von Adipositas beeinflussen.“
Starkes Übergewicht (Adipositas) erhöht das Risiko für Herzerkrankungen, Diabetes, Asthma und bestimmte Krebsarten im späteren Leben.
Ohne Intervention behalten die meisten Kinder mit Adipositas dieses Übergewicht bis ins Erwachsenenalter bei, erklärte Studien-Mitautorin Sarah Armstrong, M.D., Kinder- und Jugendärztin und Spezialistin für medizinisches Gewichtsmanagement an der Duke University.
Der Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter vollzieht sich bei Frauen im späten Teenageralter bis Anfang 20 und bei Männern im Alter von Anfang bis Mitte 20. Forscher gehen jedoch zunehmend der Frage nach, wann sich diese Risiken biologisch verfestigen und ob das Jugendalter eine Chance bietet, den Verlauf zu ändern.
Darmflora und Stoffwechselprodukte machen den Unterschied
Das Team der Duke University konzentrierte sich auf zwei Systeme, die häufig mit Adipositas in Verbindung gebracht werden: das Darmmikrobiom – die Gemeinschaft von Mikroben im Verdauungstrakt – und das Metabolom, also die Gesamtheit der kleinen Stoffwechselprodukte (Metaboliten), die entstehen, wenn Körper und Mikrobiom Nahrung und Energie verarbeiten.
Zunächst bestätigten die Forschenden anhand von Darmmikroben, die im Rahmen der „Pediatric Obesity Microbiome and Metabolism Study“ von 287 Jugendlichen gewonnen wurden, dass sich die Zusammensetzung des Mikrobioms bei Jugendlichen mit Adipositas von der bei Jugendlichen mit Normalgewicht unterscheidet. Als Nächstes transplantierte Dr. Jessica McCann, leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Molekulargenetik und Mikrobiologie, Mikrobiomproben von Jugendlichen mit und ohne Adipositas auf keimfreie Mäuse.
Im Gegensatz zu Beobachtungen aus Studien zu Adipositas bei Erwachsenen nahmen die Mäuse nicht zusätzlich an Gewicht zu, nachdem sie die Proben von Jugendlichen mit Adipositas erhalten hatten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich zwar bereits im Jugendalter adipositasbedingte Unterschiede im Mikrobiom herausbilden, diese jedoch möglicherweise nicht in derselben Weise zur Krankheitsentwicklung beitragen wie bei Erwachsenen.
„Dies legt nahe, dass es ein Entwicklungsfenster gibt, in dem das Mikrobiom eine Rolle bei der Entstehung von Adipositas spielt“, so McCann. „Die Wechselwirkung zwischen Wirt und Mikrobiom befindet sich im Jugendalter womöglich noch in der Entwicklung, was die Chance bietet, diese Warnsignale treten auf – ebenso wie Resilienz
In Zusammenarbeit mit dem Duke Molecular Physiology Institute stellte das Forschungsteam zudem Unterschiede in der Nährstoffverarbeitung bei Jugendlichen fest.
„Das Metabolom zeigt frühe Anzeichen einer Krankheitsentwicklung, aber auch Hinweise auf adaptive Plastizität,“ ergänzt MAcCann
In diesem Stadium könnten sie möglicherweise besser auf Maßnahmen zur Gewichtskontrolle ansprechen – sei es durch Ernährungsumstellung, Medikamente oder mikrobiombasierte Therapien.
„Die Befunde sprechen zunehmend dafür, so früh wie möglich einzugreifen“, erklärte Armstrong, Professor für Pädiatrie an der Duke University.
Die Forschenden hoffen, dass diese Arbeit langfristig zu stärker personalisierten Adipositas-Behandlungen führen könnte, bei denen das Mikrobiom oder das Stoffwechselprofil des Kindes genutzt wird, um zu ermitteln, welche Gewichtsabnahmetherapien am ehesten Erfolg versprechen.
Quellen: MedicalXpress, Duke university, Journal of Clinical Investigation
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Rauchen im Auto: Warum Kinder und Schwangere besonderen Schutz benötigen
Fachleute, Gesundheitsorganisationen und zahlreiche Bundesländer fordern seit Jahren strengere Regelungen für das Rauchen im Auto zum Schutz besonders gefährdeter Personengruppen.
Passivrauchen: unfreiwillige Belastung mit erheblichen Gesundheitsrisiken
In Zigarettenrauch sind zahlreiche gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. Insgesamt wurden im Tabakrauch mehr als 5.300 chemische Substanzen nachgewiesen, darunter zahlreiche giftige, reizende und krebserzeugende Verbindungen.
Passivrauchen ist keine bloße Geruchsbelästigung, sondern ein wissenschaftlich belegter Risikofaktor für eine Vielzahl von Erkrankungen. Bereits kurzfristige Belastungen können Beschwerden wie Atemwegsreizungen und Übelkeit hervorrufen. Langfristig steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Asthma sowie verschiedene Krebserkrankungen, insbesondere Lungenkrebs.
Kinder tragen ein besonders hohes Risiko
Für Kinder stellt Tabakrauch eine besondere Gefahr dar. Aufgrund ihrer höheren Atemfrequenz nehmen sie mehr Schadstoffe auf.
Regelmäßige Passivrauchbelastung im Kindesalter wird mit einem erhöhten Risiko für Infektionen der unteren Atemwege, Mittelohrentzündungen, Asthma, einer eingeschränkten Lungenfunktion und dem plötzlichen Kindstod in Verbindung gebracht. Auch das Risiko für ein geringes Geburtsgewicht bei Neugeborenen steigt, wenn Mütter während der Schwangerschaft Tabakrauch ausgesetzt sind. Darüber hinaus zeigen Studienergebnisse, dass Kinder rauchender Eltern später häufiger selbst zu Tabakprodukten greifen.
Besonders problematisch ist die Situation in Fahrzeugen. Selbst bei geöffneten Fenstern können sich Schadstoffe in hoher Konzentration im Fahrzeuginnenraum ansammeln. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass rund jedes zehnte Kind bzw. jeder zehnte Jugendliche regelmäßig oder sehr häufig Tabakrauch im Auto ausgesetzt ist. Hochgerechnet betrifft dies mehrere Hunderttausend Kinder und Jugendliche in Deutschland.
Rauchen im Auto: erlaubt trotz bekannter Gefahren
Obwohl die gesundheitlichen Risiken gut dokumentiert sind, existiert in Deutschland bislang kein generelles Verbot des Rauchens in Fahrzeugen bei Anwesenheit von Kindern, Jugendlichen oder Schwangeren. Der Grund liegt vor allem darin, dass ein privat genutztes Auto rechtlich als persönlicher Lebensbereich angesehen wird, in den staatliche Eingriffe nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich sind.
Dennoch wird seit Jahren über eine entsprechende Regelung diskutiert. Mehrere Bundesländer setzen sich für ein Rauchverbot in Fahrzeugen ein, sobald Minderjährige oder Schwangere mitfahren. Aktuell handelt es sich bereits um den dritten politischen Anlauf, eine solche Regelung bundesweit einzuführen.
Während Deutschland weiterhin auf freiwillige Rücksichtnahme setzt, haben zahlreiche europäische Staaten bereits gesetzliche Einschränkungen eingeführt. In Ländern wie Italien, Frankreich, Österreich oder Griechenland gelten bereits unterschiedliche Rauchverbote in Fahrzeugen.
E-Zigaretten und Vapes: nicht harmlos für Mitfahrende
Neben klassischen Tabakprodukten gewinnen elektronische Zigaretten und Vapes zunehmend an Bedeutung. Viele Nutzerinnen und Nutzer gehen davon aus, dass die entstehenden Aerosole für Umstehende weitgehend unproblematisch seien. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
„Auch bei E-Zigaretten und Vapes gibt es derzeit keine Entwarnung. Gesundheitliche Risiken für Menschen in der Umgebung können nach dem aktuellen Wissensstand nicht ausgeschlossen werden. Die ausgeatmeten Aerosole enthalten verschiedene chemische Substanzen, deren langfristige Auswirkungen noch nicht ausreichend erforscht sind“, erklärt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Aus diesem Grund soll ein mögliches Rauchverbot in Fahrzeugen ausdrücklich auch für E-Zigaretten und vergleichbare Produkte gelten.
Hinzu kommt ein verkehrsrechtlicher Aspekt: Moderne E-Zigaretten verfügen teilweise über Touchscreens oder elektronische Bedienelemente. Werden diese während der Fahrt genutzt, kann dies unter Umständen als Verstoß gegen das Verbot der Nutzung elektronischer Geräte am Steuer gewertet werden. Außerdem können große Dampfwolken die Sicht im Fahrzeug beeinträchtigen und dadurch die Verkehrssicherheit gefährden.
Rauchen bleibt eine der größten vermeidbaren Krankheitsursachen
Unabhängig von der Diskussion um das Rauchen im Auto verursacht Tabakkonsum weiterhin erhebliche gesundheitliche Schäden. Jährlich sterben in Deutschland rund 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Hier sind vorzeitige Todesfälle aufgrund von Passivrauchen noch nicht mitgezählt.
Die Anzahl der rauchenden Erwachsenen ist über die letzten Jahre in Deutschland rückläufig. Bei Jugendlichen zeichnet sich jedoch eine andere Entwicklung ab. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass der Anteil rauchender 12- bis 17-Jähriger über die vergangenen Jahre wieder leicht angestiegen ist.
Parallel dazu verbreiten sich neue nikotinhaltige Produkte. Dazu gehören Nikotinbeutel, Nikotinzahnstocher und weitere nikotinhaltige Erzeugnisse, die häufig als moderne oder weniger schädliche Alternativen vermarktet werden. Obwohl sie keinen Tabakrauch erzeugen, führen sie ebenfalls zur Aufnahme von Nikotin und können eine Abhängigkeit fördern.
„Gerade die Unauffälligkeit macht diese Produkte so problematisch. Nikotinbeutel sind klein, geruchlos und können nahezu unbemerkt verwendet werden. Auch Nikotinzahnstocher unterscheiden sich äußerlich kaum von herkömmlichen Zahnstochern. Hinzu kommt, dass viele dieser Produkte nicht legal in den Verkehr gebracht werden“, betont Prof. Dr. Berthold Koletzko.
Angesichts steigender Raucherzahlen unter Jugendlichen und der wachsenden Verbreitung neuer Nikotinprodukte wäre ein gesetzliches Rauchverbot im Auto ein wichtiges Signal und ein konkreter erster Schritt, um Kinder und Jugendliche zumindest dort vor Tabak- und Nikotinexposition zu schützen, wo sie keine Wahl haben.
Giulia Roggenkamp, Pressestelle, Stiftung Kindergesundheit
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Quellen: idw-online.de, Stiftung Kindergesundheit -
Norwegische Studie: Stillen könnte Risiko für ADHS senken
„Wir haben festgestellt: Je länger ein Kind ausschließlich gestillt wurde (bis zu sechs Monate), desto geringer war die Ausprägung von ADHS-Symptomen im Alter von 3, 5 und 8 Jahren“, erklärte die leitende Forscherin Dr. Berit Skretting Solberg in einer Pressemitteilung der Universität von Bergen.
Muttermilch ist speziell auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt und enthält zahlreiche Nährstoffe, die der Gehirnentwicklung zugutekommen, so die Wissenschaftler*innen. Dazu gehören langkettige Fettsäuren, Aminosäuren, Antikörper und nützliche Bakterien.
Für die neue Studie untersuchten die Forschenden Daten von mehr als 37.600 Kindern, die an einer Langzeitstudie mit norwegischen Familien teilnahmen. Die Mütter gaben an, wie lange sie ihre Kinder ausschließlich stillten und ab wann sie andere Flüssigkeiten oder feste Nahrung erhielten. Die Ergebnisse zeigten, dass Stillen die Wahrscheinlichkeit für ADHS sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen verringerte. Der Effekt war im Alter von 3 und 5 Jahren am stärksten ausgeprägt und schwächte sich mit 8 Jahren etwas ab.
Jede Form des Stillens war vorteilhaft, doch der schützende Effekt nahm mit der Dauer und Häufigkeit zu, wie die Autor*innen feststellten. Den stärksten Schutz vor ADHS wiesen Babys auf, die bis zu sechs Monate lang ausschließlich gestillt worden waren.
Die Expert*innen versuchten genetische Faktoren als mögliche Erklärung auszuschließen, indem sie bekannte Einflussfaktoren – wie etwa eine familiäre Vorbelastung mit ADHS – berücksichtigten. Das Team verglich außerdem Geschwister, die von derselben Mutter unterschiedlich lange gestillt worden waren.
„Selbst nach dieser Bereinigung zeigte sich ein deutlicher, wenn auch moderater schützender Effekt der Dauer des ausschließlichen Stillens auf spätere ADHS-Symptome“, so Solberg.
Die Forschenden wiesen jedoch darauf hin, dass weitere Studien und klinische Untersuchungen erforderlich seien, um diesen Zusammenhang zu bestätigen und zu prüfen, ob er auch außerhalb Norwegens Bestand hat.
Solberg vermutet, dass der schützende Effekt in Regionen, in denen Stillen weniger verbreitet ist, sogar noch stärker ausfallen könnte. „In unserer Gesellschaft ist die Vererbung wahrscheinlich der stärkste Risikofaktor für ADHS. Da ADHS jedoch […] von mehreren Faktoren beeinflusst wird, deutet unsere Studie darauf hin, dass auch das Ausmaß des Stillens dazu beitragen kann, kleine Kinder vor der Entwicklung von ADHS-Symptomen zu schützen“, sagte sie.
Quellen: HealthDay, University of Bergen, Biological Psychiatry