Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.

Mit unserem Kinder- und Jugendärzt*innen-Netz bieten wir Ihnen und Ihren Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre die bestmögliche ambulante Gesundheitsversorgung mit einheitlich hohen Qualitätsstandards. Die enge Kooperation untereinander und mit stationären und ambulanten Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin ermöglicht es, die netzinternen Fachkompetenzen und die ambulanten Untersuchungs- und Therapieverfahren sinnvoll zu nutzen und die Zahl und Dauer der Klinikaufenthalte gering zu halten. Machen Sie sich ein Bild von unserem Leistungsspektrum.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Für Terminvereinbarungen wenden Sie sich bitte an die von Ihnen gewählte Kinder- und Jugendarztpraxis. Sie finden diese in der Rubrik links "Praxisverzeichnis".

Für Rückfragen zum Ärztenetz e. V. kontaktieren Sie bitte unsere Netzsekretärin unter der Mail-Adresse: reuter.paednetz@noSpam.web.de

Auf den nächsten Seiten erhalten Sie praktische medizinische Tipps, Adressen für den Notfall, das Verzeichnis der Mitgliedspraxen des Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V.  und Informationen über wichtige Termine, Aktivitäten und Informationsquellen.

Wichtige Hinweise:

Durch u.g. Maßnahmen sind Sie und Ihr Kind vor Ansteckung in den Praxen geschützt!
Nehmen Sie unbedingt zeitgerechte Termine für Vorsorgen und Schutzimpfungen wahr!
Fehlende oder verspätete Impfungen oder Vorsorgen gefährden Ihr Kind!


AKTUELLE iNFORMATIONEN ÜBER Infekte und Infektionskrankheiten -- Vorgehen bei Infektionsverdacht

RSS Feed kinderaerzte-im-netz.de

  • Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Kindern ist breit umsetzbar

    Wird die Erkrankung zu spät erkannt, können Kinder eine diabetische Ketoazidose entwickeln – ein schwerer medizinischer Notfall. Im Blut lassen sich Jahre vor der Erkrankung sogenannte Inselautoantikörper nachweisen. Wird dadurch ein frühes Stadium erkannt, können Familien vorbereitet, Kinder ärztlich begleitet und schwere Stoffwechselentgleisungen idealerweise vermieden werden. Forschende von Helmholtz Munich veröffentlichen ihre aktuelle Bilanz der Fr1da-Studie jetzt im Fachjournal „JAMA“.

    Seit dem Start von Fr1da im Februar 2015 wurden in Bayern mehr als 220.000 Kinder auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes getestet – nicht in spezialisierten Zentren, sondern über die reguläre kinder- und jugendärztliche Versorgung. Insgesamt beteiligten sich 716 niedergelassene Kinder- und Jugendärztinnen sowie Kinder- und Jugendärzte. Damit liefert Fr1da einen der bislang umfangreichsten Belege dafür, dass ein Screening auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes in der allgemeinen Kinder- und Jugendarztpraxis dauerhaft umsetzbar ist.

    Für das Screening wird in der Kinder- und Jugendarztpraxis eine kleine Blutprobe entnommen und im Labor auf Inselautoantikörper untersucht. Von einem frühen Stadium sprechen die Forschenden, wenn mindestens zwei verschiedene Inselautoantikörper in zwei aufeinanderfolgenden Blutproben bestätigt werden. In Stadium 1 sind die Blutzuckerwerte noch unauffällig, in Stadium 2 zeigen sich erste Störungen des Zuckerstoffwechsels. Erst Stadium 3 entspricht dem klinisch manifesten Typ-1-Diabetes, bei dem die Gabe von Insulin erforderlich ist.

    Die meisten der betroffenen Kinder haben keine Verwandten mit Typ-1-Diabetes

    Beim ersten Screening wurde bei 590 Kindern ein frühes Stadium von Typ-1-Diabetes festgestellt – das entspricht etwa 0,3% der untersuchten Kinder. Im weiteren Verlauf entwickelten 212 dieser Kinder einen Typ-1-Diabetes im Stadium 3. Das entspricht 81% der Kinder, die später einen klinischen Typ-1-Diabetes entwickelten. Nach fünf Jahren lag die Wahrscheinlichkeit, vom Frühstadium in den klinischen Typ-1-Diabetes überzugehen, bei 36,2%.

    Die Analyse zeigt: Kinder mit einem Verwandten ersten Grades mit Typ-1-Diabetes haben zwar ein erhöhtes Risiko, die Erkrankung zu entwickeln. Dennoch hat die Mehrheit der Kinder, die einen Typ-1-Diabetes im Stadium 3 entwickeln, keine familiäre Vorbelastung. Daher sollte sich das Screening nicht auf Kinder mit familiärem Risiko beschränken. Zudem beobachteten die Forschenden nach Diagnose eines Frühstadiums keinen Unterschied im Krankheitsverlauf zwischen Kindern mit und ohne familiäre Vorbelastung. „Diese Daten zeigen, dass ein Screening in der breiten Bevölkerung sinnvoll ist“, sagte Dr. Christiane Winkler, die das Fr1da-Team bei Helmholtz Munich leitet und Erstautorin der Studie ist. „Wenn wir nur Kinder mit familiärer Vorbelastung testen, übersehen wir den größten Teil der Kinder, die später einen Typ-1-Diabetes im Stadium 3 entwickeln.“

    Eine neue Erkenntnis ist, dass die Erkrankung über alle Stadien hinweg mit einer vergleichbaren Rate fortschreitet. Bei Kindern im Stadium 1 oder 2 betrug die jährliche Progression in weiter fortgeschrittene Stadien rund 20%. „Dies ist der erste belastbare Hinweis darauf, dass der Krankheitsprozess in der Bauchspeicheldrüse bereits mit Einsetzen der Autoimmunität beginnt – und könnte unseren Ansatz für den optimalen Zeitpunkt therapeutischer Interventionen grundlegend verändern“, so Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Studienleiterin.

    Auch ein zweites Screening erwies sich als wichtig. Bei mehr als 11.700 zunächst unauffälligen Kindern wurde der Test etwa drei Jahre später wiederholt. Dabei wurden 29 weitere Kinder mit einem Frühstadium identifiziert. Das bedeutet, dass durch das erneute Screening nahezu genauso häufig neue Fälle entdeckt wurden wie beim ersten Test. „Einige Kinder entwickeln Inselautoantikörper erst etwas später im Kindesalter“, erklärte Winkler. „Deshalb empfehlen wir eine zweite Testung nach einigen Jahren.“

    Diabetes-Sreening kann für alle Kinder umgesetzt werden

    Für Familien bedeutet ein positives Screening nicht, dass das Kind sofort Diabetes-Symptome hat oder Insulin benötigt. Die Familien erhalten Informationen, Schulungen und Zugang zu spezialisierten Diabeteszentren. Dort wird mit Hilfe eines oralen Glukosetoleranztests geprüft, wie stabil der Stoffwechsel des Kindes noch ist. Danach folgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Ziel ist es, den Übergang in einen Typ-1-Diabetes in Stadium 3 frühzeitig zu erkennen und eine diabetische Ketoazidose möglichst zu verhindern. „Die Fr1da-Studie hat maßgeblich dazu beigetragen, das Screening auf Typ-1-Diabetes in der Allgemeinbevölkerung zu erforschen“, sagt Anne Koralova, Program Officer beim Helmsley Charitable Trust. „Wir unterstützen Fr1da, weil eine frühzeitige Diagnose die langfristige gesundheitliche Entwicklung verbessert.“

    Die Fr1da-Daten sind auch für neue Präventionsstrategien relevant. Krankheitsmodifizierende Therapien, also Behandlungen, die den Verlauf der Erkrankung beeinflussen und den Übergang in ein Typ-1-Diabetes Stadium 3 verzögern können, setzen eine frühe Diagnose voraus. Zugleich zeigen die Daten, wie schnell Kinder von einem Stadium ins nächste übergehen – eine wichtige Grundlage für künftige Studien.

    Langfristig zielt Fr1da darauf ab, die Früherkennung in die Regelversorgung zu integrieren. „Die Studie zeigt, dass der Krankheitsprozess bei Kindern mit und ohne familiäre Vorbelastung vergleichbar verläuft. Das bedeutet zum einen, dass ein Screening in der Allgemeinbevölkerung praktikabel ist. Zum anderen, dass Therapien, die in einer Gruppe wirksam sind, voraussichtlich auch in der anderen wirksam sein werden“, verdeutlichte Ziegler. „Unser Ziel ist es, dass ein solches Screening künftig allen Kindern angeboten wird – und nicht nur ausgewählten Risikogruppen.“
    „Die Möglichkeit, Typ-1-Diabetes durch Screening und Monitoring frühzeitig zu erkennen, stellt einen bedeutenden Durchbruch dar – mit großem Potenzial, breite Bevölkerungsgruppen zu erreichen und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen“, sagt Esther Latres, Ph.D., Senior Vice President of Research bei Breakthrough T1D. „Die Fr1da-Studie hat unser Verständnis des Krankheitsverlaufs bei Kindern maßgeblich erweitert und belegt zugleich den Nutzen sowie die praktische Umsetzbarkeit der Früherkennung als Bestandteil der klinischen Routineversorgung. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung klinischer Studien und erleichtert den Zugang zu neuen krankheitsmodifizierenden Therapien.“
    ___________
    Brigitte Schloter-Hai, Kommunikation, Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)
    ___________
    Quellen: idw-online.de, Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), JAMA

       

     

  • Kleinkinder: Hoher Anteil von hochverarbeiteten Lebensmitteln in Ernährung könnte mit Veränderungen der Gehirnstruktur zusammenhängen

    Die im „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlichte Studie ergab, dass eine um 10% höhere kumulative Aufnahme dieser Lebensmittel mit einem um fast 2% geringeren Volumen subkortikaler Hirnstrukturen einherging – darunter Nucleus accumbens, Amygdala, Pallidum, Putamen und Thalamus. Diese Strukturen sind unter anderem an der Verarbeitung von Belohnung, Motivation und Emotionen beteiligt.

    Die Autor*innen der Publikation fanden allerdings keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und der kognitiven Leistungsfähigkeit.

    Die Forschungsarbeit wurde von Erstautor Dr. Jonatan Ottino-González und Senior-Autor Dr. Michael I. Goran geleitet und von den National Institutes of Health unterstützt.

    „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ernährung in der frühen Kindheit die Gehirnentwicklung auf eine Weise prägen könnte, die wir gerade erst zu verstehen beginnen“, erklärte Senior-Autor Dr. Michael I. Goran, Leiter des Programms für Ernährung und Adipositas am Saban Research Institute des Children’s Hospital Los Angeles (CHLA). „Selbst ohne Unterschiede bei der kognitiven Leistungsfähigkeit beobachten wir messbare Veränderungen der Gehirnstruktur.“

    Ein entscheidendes Zeitfenster für die Gehirnentwicklung

    Bei hochverarbeiteten Lebensmitteln handelt es sich um Industrieprodukte, die aus raffinierten Zutaten und Zusatzstoffen hergestellt werden und auf Bequemlichkeit sowie eine lange Haltbarkeit ausgelegt sind. Diese Produkte enthalten kaum oder gar keine unverarbeiteten Lebensmittel und weisen Zusatzstoffe wie Süßungsmittel, Aromen, Emulgatoren oder andere Inhaltsstoffe auf, die rein geschmacklichen oder ästhetischen Zwecken dienen. Zudem können sie Substanzen enthalten, die Nährstoffe ersetzen sollen, welche bei der Verarbeitung verloren gegangen sind.

    Zu den hochverarbeiteten Lebensmitteln zählen beispielsweise bestimmte Fast-Food-Gerichte, Tiefkühlmahlzeiten, Backwaren, Wurstwaren und Milchprodukte. In den USA machen hochverarbeitete Lebensmittel mehr als die Hälfte der gesamten Energiezufuhr bei Kindern im Alter von einem bis fünf Jahren aus.

    Diese Phase der frühen Kindheit ist entscheidend für die Gehirnentwicklung und zeichnet sich durch eine erhöhte Neuroplastizität aus – die Fähigkeit des Gehirns, seine neuronalen Verbindungen neu zu organisieren. Es wurde zudem beobachtet, dass die Ernährungsqualität in diesem Zeitraum möglicherweise die neurologische Entwicklung beeinflusst. Frühere Studien haben einen höheren Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel bei Erwachsenen mit negativen Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit und das Gehirnvolumen – einschließlich kognitiver Beeinträchtigungen und Demenz – in Verbindung gebracht.

    Bereits in der Vergangenheit Hinweise auf negative Wirkung 

    Frühere Studien bei Erwachsenen berichteten über Zusammenhänge zwischen einem höheren Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und einer geringeren Aufmerksamkeit, einem schwächeren Arbeitsgedächtnis, einer verminderten Impulskontrolle sowie einem geringeren Volumen bestimmter Hirnregionen.

    Zudem haben Längsschnittstudien gezeigt, dass das Volumen subkortikaler Hirnregionen in frühen Lebensphasen mit der späteren körperlichen und psychischen Gesundheit zusammenhängt.

    Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse stellte das Team um Dr. Goran die Hypothese auf, dass der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel in der frühen Kindheit mit einem verringerten Volumen bestimmter Hirnregionen und negativen kognitiven Folgen Jahre später in Verbindung stehen könnte. Die Auswirkungen hochverarbeiteter Lebensmittel speziell auf Kinder und Jugendliche waren jedoch bislang kaum erforscht, und es gab nur wenige bildgebende Untersuchungen dazu.

    In der neuen Studie des CHLA (Children’s Hospital Los Angeles) wurden 144 Mutter-Kind-Paare (hispanischer/lateinamerikanischer Herkunft) begleitet; dabei wurde die Aufnahme hochverarbeiteter Lebensmittel bei den Kindern im Alter von 6, 12, 24 und 72 Monaten mithilfe wiederholter 24-Stunden-Ernährungsprotokolle erfasst.

    Zudem untersuchten die Forschenden die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter von 24 und 72 Monaten – zunächst durch die Bewertung von Sprache und Motorik und später mithilfe computergestützter Tests, die Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit maßen. Im Alter von 72 Monaten bestimmte das Team mittels MRT das Volumen subkortikaler Hirnregionen. Gewicht und Körpergröße der Kinder wurden während der gesamten Studiendauer dokumentiert.

    Ermittlung der besonders beeinflussbaren frühen Altersspanne

    Das Team will nun kritische Zeitfenster für die Aufnahme dieser Lebensmittel identifizieren, spezifische ernährungsbedingte und biologische Mechanismen aufklären und die langfristigen Auswirkungen des Konsums hochverarbeiteter Lebensmittel in der frühen Kindheit besser verstehen.

    „Wir müssen noch viel darüber lernen, wie die Ernährung in frühen Lebensphasen das sich entwickelnde Gehirn beeinflusst“, so Dr. Goran. „Die Identifizierung der zugrundeliegenden Mechanismen ist entscheidend, um zu verstehen, was diese Ergebnisse für die langfristige Gesundheit bedeuten.“

    Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich den Autor*innen zufolge daraus kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Weitere Studien müssen klären, welche biologischen Mechanismen hinter dem beobachteten Zusammenhang stehen.

    Quellen: Newswise, Children’s Hospital Los Angeles, American Journal of Clinical Nutrition

  • Alarmierender Trend: Kinder greifen häufiger zur E-Zigarette

    Aromen wie in Fruchtbonbons, ansprechende Verpackung, Werbung in den Sozialen Medien: vor allem junge Menschen sprechen gesundheitsschädliche Produkte wie aromatisierte E-Zigaretten (Vapes) an, wie sie die Tabak- und Nikotinindustrie vermarktet. Wie wirkungsvoll die Vermarktung von Vapes und Mehrweg-E-Zigaretten bei jungen Menschen fatalerweise verfängt, belegen aktuelle Studiendaten zum Rauchverhalten junger Menschen, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) veröffentlichte: Im Zeitraum 2021 bis 2025 kam es bei den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen zum Anstieg sowohl beim Rauchen als auch beim Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten (Vapes). 2025 rauchte fast jeder Zehnte (9,6%) der 12- bis 17-Jährigen (2021: 6,1%). Bei den Mehrweg-E-Zigaretten stieg der Anteil der männlichen Konsumierenden seit 2021 gar von 2,9 auf 6,7% und bei den weiblichen Konsumierenden von 1,8 auf 7,8% im Jahr 2025 (1).

    „Dieser Befund ist alarmierend, wenn man bedenkt, welche gravierenden Folgen das Vapen bei Kindern und Jugendlichen für Gehirn, Herz, Lunge und andere Organe haben kann und auch wie Hersteller von E-Zigaretten eine Nikotinabhängigkeit und damit eine Raucherkarriere bereits bei Kindern gezielt in Kauf nehmen“, warnt der Kardiologe und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dr. Thomas Voigtländer. „Zugleich zeigen diese Zahlen einmal mehr, wie wichtig frühzeitige Tabak- und Suchtprävention sowie Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor diesen Produkten sind.“ Rauchen ist weiterhin einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreiskauf-Erkrankungen wie die Koronare Herzkrankheit (KHK). Insgesamt gesehen gehen jährlich rund 131.000 Todesfälle in Deutschland auf den Rauchkonsum zurück (2).

    Raucherzahlen weiterhin auf hohem Niveau

    Nach wie vor auf einem hohen Niveau bewegen sich die Raucherzahlen in Deutschland: Mehr als jede vierte erwachsene Person raucht (2,4). Besonders hoch ist die Raucherquote unter jungen Erwachsenen: Im Alter von 18 bis 29 Jahren rauchen über 40% der Männer und rund 30% der Frauen. Bei Kindern und Jugendlichen lässt sich die Entwicklung beobachten, dass E-Zigaretten mittlerweile beliebter sind als Tabakzigaretten. Während die Zahl der Minderjährigen, die Tabakzigaretten rauchen, in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen ist, gehört in der Altersklasse von 12 bis 17 Jahren die E-Zigarette inzwischen zu den beliebtesten Nikotinprodukten. „Dieser Trend macht uns Sorgen, weil Nikotinprävention beim Eindämmen gerade der Zahl junger Tabakraucher:innen erfolgreich war. E-Zigaretten bremsen diesen positiven Trend aus – wir müssen gegensteuern“, so Prof. Voigtländer. 

    Bester Schutz für Herz und Gefäße: Rauchfrei leben

    Dass ein rauchfreies Leben den besten Schutz für Herz und Gefäße bietet, ist auch das Leitprinzip der beiden Projekte der Deutschen Herzstiftung „Rauchzeichen“ im Rhein-Main-Gebiet (Start 2004), und „nachvorn“ an der Charité – Universitätsmedizin in Berlin (Start 2023). Die Herzstiftung fördert beide Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von rund 250.000 Euro pro Jahr. 

    Tückisch sei insbesondere das verharmlosende Prinzip für die süchtig machende Wirkung von E-Zigaretten. „Süße Frucht- oder Cola-Aromen und die bunte spielzeugartige Verpackung der Vape-Produkte sind verführerisch für Kinder und verhindern, dass sie die gefährliche Wirkung des Vapens wahrnehmen“, berichtet der Kardiologe und fachliche Leiter des Projekts Rauchzeichen Dr. Oliver Przibille. „Unsere Erfahrungen in den Schulen zeigen, dass bereits 8- bis 9-jährige Kinder wissen, dass E-Zigaretten nikotinsüchtig machen, aber sie können noch nicht die Gefahr des Vapings auf ihre eigene Gesundheit übertragen.“ Infos unter: herzstiftung.de/podcast-vapen

    Nicht nur E-Zigaretten, sondern auch Nikotinbeutel (z.B. Snus) und andere Nikotinprodukte stellen die Nikotinprävention und damit auch die Projekt-Teams von „Rauchzeichen“ im Rhein-Main-Gebiet und „nachvorn“ in Berlin vor neue Herausforderungen.

    Nikotinprävention spätestens ab der fünften Klasse!

    Dass das Vaping bereits für Kinder im Grundschulalter allgegenwärtig ist, gilt auch für „nachvorn“. „Im Zuge des Präventionsprogramms an Berliner Schulen und einer begleitenden Studie hat sich bestätigt, dass wir Nikotinprävention spätestens ab der fünften Klasse, also im Alter von zehn Jahren, ansetzen müssen“, betont die Projektleiterin von „nachvorn“ Prof. Dr. Gertraud Stadler, Leiterin des Arbeitsbereichs Geschlechterforschung in der Medizin (GiM) an der Charité und der im Fachmagazin „Nature: Scientific Reports“ publizierten Studie (3). Das Forschungsteam der Charité hat „nachvorn“ gemeinsam mit Schüler:innen, Lehrkräften sowie Expert:innen aus Gesundheitswesen, Psychologie und Pädagogik mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Herzstiftung entwickelt und wird wissenschaftlich von Marina Hinßen (Charité), Erstautorin der Nature-Studie, begleitet und ausgewertet. Wie „Rauchzeichen“ in Hessen zielt auch das Berliner Präventionsprogramm darauf ab, Kinder zu erreichen, bevor sie zu Nikotinprodukten greifen. Die Nature-Studie zeigte unter anderem, dass das Programm „nachvorn“ in Schulen praktisch umsetzbar und für den Schulalltag an Schulen mit höheren wie niedrigeren soziostrukturellen Belastungen geeignet ist.

    Dem Gruppendruck widerstehen lernen

    Das Herzstück beider Präventionsprogramme bilden interaktive Workshops mit den Schulklassen. „Besonders wichtig ist uns, dass wir nicht nur über die gesundheitlichen Risiken aufklären, sondern auch die Lebenskompetenzen der Kinder stärken: sie lernen, Stress zu bewältigen, kritisches Denken und Widerstandsfähigkeit gegen Gruppendruck“, erklärt Marina Hinßen von der Charité. Kinder müssten lernen „Nein“ zu sagen und auch verstehen lernen, dass sie sich mit ihrem „Nein“ der großen Mehrheit derer anschließen, die nicht rauchen oder Nikotin in E-Zigaretten oder anderen Produkten konsumieren, erklärt Marina Hinßen. Zukünftig soll mit Hilfe einer Online-Plattform „nachvorn“ Nikotinprävention allen Schulen zugänglich gemacht werden.

    Forderungen der Herzstiftung an die Politik

    E-Zigaretten sind inzwischen das populärste Nikotinprodukt unter Jugendlichen, gefolgt von Tabakzigaretten und Shishas. E-Zigaretten werden, etwa in den sozialen Medien häufig als harmlose Alternative zur Zigarette dargestellt. „Dabei enthalten sie gesundheitsschädliche und abhängig machende Substanzen“, so der Kardiologe und Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer. Studien zeigen, dass auch E-Zigaretten die Lunge und die Gefäße schädigen. Als Mitglied des Aktionsbündnisses Nichtrauchen (ABNR) fordert die Deutsche Herzstiftung von der Politik für alle Tabak- und Nikotinprodukte

    • die Steuern darauf jährlich deutlich zu erhöhen,
    • das Verbot jeglicher Form des Marketings,
    • Verbot aller Aromastoffe,
    • Einheitsverpackungen,
    • niedrigschwellige und kostenfreie evidenzbasierte Angebote der Nikotinentwöhnung,
    • Schutz aller Menschen vor jeglicher Passivinhalation.

    Wer bereits raucht und mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte entsprechende Versorgungsangebote in Anspruch nehmen können. Rauchstoppprogramme, verhaltenstherapeutische Ansätze und etablierte medikamentöse Therapien sind wirksame Instrumente, um langfristig tabak- und nikotinbedingte Erkrankungen zu verringern. Wer sich über Angebote rund um den Rauchstopp informieren möchte, erhält auf der Herzstiftungs-Homepage (Suchwort „Rauchstopp“) hilfreiche Informationen. 
    ____________
    Michael Wichert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsche Herzstiftung e.V.
    ____________

    Literatur

    (1) Pressemitteilung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) „Weltnichtrauchertag 2026: Vapen bei Jugendlichen auf dem Vormarsch“: https://www.bioeg.de/presse/pressemitteilungen/2026-05-26-weltnichtrauchertag-20... - abgerufen am 28.05.26

    (2) DKFZ-Tabakatlas Deutschland 2025: https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/Download/Tabakatlas-Deutschl... - abgerufen am 28.05.2026

    (3) Hinssen M et al. Development of a school program for vaping and smoking prevention and protocol for a cluster randomized controlled trial in fifth grade students. Nat Sci Rep 2026 May 7. Doi: https://doi.org/10.1038/s41598-026-45720-w

    (4) Information der Deutschen Krebshilfe: https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/krebs-vorbeugen/rauchen-und-kr... - abgerufen am 28.05.2026

    ______________

    Quellen: idw-online.de, Deutsche Herzstiftung e.V.