Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.

Mit unserem Kinder- und Jugendärzt*innen-Netz bieten wir Ihnen und Ihren Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre die bestmögliche ambulante Gesundheitsversorgung mit einheitlich hohen Qualitätsstandards. Die enge Kooperation untereinander und mit stationären und ambulanten Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin ermöglicht es, die netzinternen Fachkompetenzen und die ambulanten Untersuchungs- und Therapieverfahren sinnvoll zu nutzen und die Zahl und Dauer der Klinikaufenthalte gering zu halten. Machen Sie sich ein Bild von unserem Leistungsspektrum.

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  • Wie lassen sich Kinder und Jugendliche davon abhalten, E‐Zigaretten zu konsumieren?

    Das Ergebnis des Reviews, kurz zusammengefasst: Jugendliche, die regelmäßig individualisierte Textnachrichten aufs Handy etwa zu den Risiken des Vapens bekommen, beenden ihren Konsum wahrscheinlich häufiger als Jugendliche, bei denen lediglich einmal pro Monat per Textnachricht der Konsum abgefragt wird oder die auf einer Warteliste stehen.

    Der Review zeigt auch: Zur Wirksamkeit von speziellen schulischen Präventionsprogrammen lässt sich derzeit wegen einer zu dünnen Datenbasis bzw. methodischer Einschränkungen der Studien keine verlässliche Aussage treffen.

    E-Zigaretten werden kritisch betrachtet, weil in ihren Aerosolen toxische Stoffe wie Formaldehyd, Acrolein und Acrylamid sowie Schwermetalle wie Chrom, Blei und Nickel nachgewiesen wurden. Zudem sind einige der verwendeten Aromen beim Einatmen toxisch.

    Die Autor*innen – Forscher*innen um Courtney Barnes von der „University of Newcastle“ in Australien – haben erstmals drei randomisiert kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt gut 10.000 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren in ihren Review eingeschlossen. Er ist als „Living Systematic Review“ angelegt. Das heißt, die Autor*innen suchen künftig jeden Monat nach neuer Evidenz und aktualisieren den Review, sobald relevante neue Studien verfügbar sind. Die erste Version hatten die Autor*innen 2023 vorgelegt.

    Eine der drei Studien mit 1.064 Teilnehmenden in den USA prüfte die Wirksamkeit eines speziellen Angebots, das Jugendlichen helfen sollte, mit dem Vapen wieder aufzuhören. Dabei bekamen die Jugendlichen bis zu 14 Wochen lang individualisierte Textnachrichten auf das Handy geschickt. Darin ging es beispielsweise um Hinweise zur Nikotinersatztherapie und Unterstützung bei seelischen Belastungen. Die Jugendlichen in der Kontrollgruppe bekamen nur einmal pro Monat Textnachrichten, in denen sie gebeten wurden, ihren E-Zigaretten-Konsum zu berichten, bzw. standen ohne Intervention auf einer Warteliste für die Studienteilnahme.

    45% der Jugendlichen, die regelmäßig Textnachrichten bekamen, berichteten nach sieben Monaten, weiterhin zu vapen. In der Vergleichs- bzw. Wartelistenkontrollgruppe waren es knapp 62%. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz bewerteten die Autor*innen als moderat.

    Bei den beiden anderen in den Review eingeschlossenen Studien mit insgesamt 8.830 Teilnehmenden ging es nicht um Hilfen zum Ausstieg aus dem Vapen, sondern um spezielle schulische Präventionsprogramme: Die jugendlichen Teilnehmer*innen einer Studie in Schweden vereinbarten schriftlich mit einem Erwachsenen, nicht mit dem Rauchen bzw. dem Dampfen anzufangen. Zudem nahmen sie im ersten Jahr der Studie ebenso wie ihre Eltern an einer Info-Veranstaltung zum Thema teil. Um die Jugendlichen für die Teilnahme zu motivieren, gab es Belohnungen, bspw. Gutscheine für Freizeitaktivitäten. Drei Jahre lang bekamen sie außerdem jeweils an vier Terminen im Unterricht altersgerecht Informationen zu Vapes und herkömmlichen Zigaretten vermittelt. Auch die Jugendlichen in der Vergleichsgruppe nahmen an diesen Unterrichtseinheiten teil; die anderen Maßnahmen gab es für sie aber nicht.

    Bei der zweiten Studie bekamen Jugendliche in Australien vier Unterrichtseinheiten zu E-Zigaretten und Tabak. Dabei wurden ihnen u.a. Strategien vermittelt, wie sie eine angebotene E-Zigarette selbstbewusst ablehnen. Die Vergleichsgruppe erhielt den üblichen Gesundheitsunterricht, in dem E-Zigaretten und Tabak an vielen Schulen ebenfalls behandelt wurden. Es handelte sich um ein kurzes Vier-Wochen-Programm mit späterer Nachbeobachtung über ein Jahr.

    In der gepoolten Auswertung der beiden Studien zeigt sich: Innerhalb von einem bis anderthalb Jahren probierten 30,7% der Jugendlichen, die an einem schulischen Präventionsprogramm teilnahmen, E-Zigaretten aus. Ohne spezielles schulisches Präventionsprogramm waren es 32,6. Die Autor*innen des Reviews bewerten die Vertrauenswürdigkeit dieses Ergebnisses allerdings als sehr niedrig. Das hängt damit zusammen, dass die beiden Studien methodische Einschränkungen aufwiesen, ihre Ergebnisse sich nur eingeschränkt auf andere Programme übertragen lassen und die Ergebnisse zu ungenau waren, um die Größe des möglichen Effekts verlässlich einzuschätzen. Deshalb lässt sich bisher nicht zuverlässig sagen, ob diese speziellen schulischen Präventionsprogramme junge Menschen davon abhalten, zu E-Zigaretten zu greifen.

    Keine der drei Studien lieferte belastbare Daten dazu, ob die untersuchten Programme unerwünschte Effekte auf Jugendliche oder auf die durchführenden Organisationen hatten.

    „Angesichts der bereits bekannten Gesundheitsrisiken, die vom Vapen ausgehen, und mit Blick auf die ungeklärte Toxizität etlicher Aerosolbestandteile muss ich sagen: Dieser Review widmet sich einer wirklich wichtigen und aktuellen Frage der Kinder- und Jugendgesundheit“, so Prof. Dr. Jörg Meerpohl, wissenschaftlicher Direktor von Cochrane Deutschland und Kinderarzt, der selbst nicht an der Erstellung der Übersichtsarbeit beteiligt war. „Allerdings ist die Evidenzbasis des Reviews mit nur drei eingeschlossenen randomisiert kontrollierten Studien im Moment leider noch sehr begrenzt. Die Autor*innen betonen das selbst – und ich schließe mich ihrer Einschätzung an: Wir sollten die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit darum entsprechend vorsichtig interpretieren.“ Für belastbare Aussagen brauche es weitere Forschungsergebnisse, so Meerpohl. „Aber die gute Nachricht ist: Es laufen im Moment bereits 30 weitere Studien, die sich damit beschäftigen, wie man Kinder und Jugendliche vom Vapen abhalten kann. Zudem haben die Review-Autor*innen fünf schon veröffentlichte Studien gefunden und prüfen sie gerade. Sie könnten in ein nächstes Update dieses Living Systematic Reviews einfließen. Sprich: Die Evidenzgrundlage dürfte sich in nicht allzu ferner Zukunft weiter verbessern – und wir bekommen dann wahrscheinlich mehr Gewissheit bei dieser wichtigen Frage.“

    Tabakatlas Deutschland: Rund jeder fünfte Jugendliche hat schon einmal gevapet

    Laut dem aktuellen Tabakatlas der Deutschen Krebshilfe und des Deutschen Krebsforschungszentrums hatten im Jahr 2023 19,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in ihrem Leben schon einmal gevapet – und fast acht Prozent hatten in den letzten 30 Tagen eine E-Zigarette konsumiert.

    Die oft bunten, teils mit Bildschirmen und Gaming-Funktion ausgestatteten kleinen Handgeräte verbrennen keinen Tabak, sondern verdampfen mit Hilfe eines akkubetriebenen Heizelements so genannte Liquids. Das sind Flüssigkeiten, die im Wesentlichen aus Glyzerin und Propylenglykol bestehen, zudem aber auch unter anderem Aromen sowie teils Nikotin und Verunreinigungen enthalten. Das beim Verdampfen erzeugte Aerosol wird über ein Mundstück eingeatmet.

    Manche Liquid-Aromen sind erwiesenermaßen schädlich, wenn man sie inhaliert. Für die meisten Aromen gibt es bislang keinerlei toxikologische Daten zur Wirkung bei Inhalation. Ob und welche gesundheitlichen Risiken von ihnen ausgehen, ist also weitgehend unklar.

    Das in vielen E-Zigaretten enthaltene Nikotin kann die Entwicklung des jugendlichen Gehirns beeinträchtigen. Dem Tabakatlas zufolge wird zudem das ohnehin hohe Abhängigkeitspotential von Nikotin noch größer, je jünger ein Mensch beim Einstieg in den Konsum ist.

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat wiederholt vor den Gesundheitsgefahren gewarnt, die von E-Zigaretten ausgehen, und fordert Verkaufsverbote für Kinder sowie strenge Kontrollen, um das Risiko zu verringern, dass Heranwachsende doch an E-Zigaretten gelangen.

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    Mirjam Mischke-Stöckel - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Cochrane Deutschland
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    Quellen: idw-online.de, Cochrane Review, Tabakatlas 2025 (S. 75)

  • Bakterielle Mandelentzündung mit Streptokokken kann manchmal nach Antibiotikabehandlung fortbestehen

    „Etwa 8 bis 10% der Kinder bleiben auch nach Abschluss der Antibiotikabehandlung mit Streptokokken besiedelt“, erklärte Laura Cook, außerordentliche Professorin für Biowissenschaften an der Binghamton University (State University of New York). „Sie haben keine Symptome mehr. Sie fühlen sich gesund.“

    Mithilfe der Ganzgenomsequenzierung wollen Forschende des Fachbereichs Biowissenschaften der Binghamton University, der University of Illinois at Chicago sowie der University of Wisconsin School of Medicine and Public Health herausfinden, woran das liegt. Ihr Artikel mit dem Titel „Streptococcus pyogenes carriage is associated with distinct in vivo transcriptional states but not carrier-specific genotypes“ wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „Cell Reports“ veröffentlicht.

    Kinder- und Jugendärzte an der University of Wisconsin entnahmen Proben von Kindern, die wegen einer Streptokokken-Infektion des Rachens in die Klinik kamen; Kinder mit positivem Testergebnis wurden in die Studie aufgenommen. Sie wurden mit Antibiotika behandelt und anschließend erneut auf die bakterielle Infektion untersucht.

    Kinder können sogar jahrelang Träger bleiben

    Sobald die Symptome abklingen, heilt die Infektion meist aus; dennoch können Kinder Stämme von Gruppe-A-Streptokokken (GAS) noch über Monate oder sogar Jahre hinweg in sich tragen – und auf andere übertragen. Bei wiederkehrenden Infektionen werden den Kindern häufig die Mandeln entfernt. Kinder ohne Symptome werden hingegen normalerweise nicht daraufhin untersucht, ob sie als Überträger fungieren.

    Die Genome der Bakterien lieferten keine eindeutigen Hinweise darauf, ob bestimmte Stämme eher eine aktive Infektion verursachen oder symptomlos getragen werden.

    „Das deutet darauf hin, dass die Ursache bei den Kindern selbst liegt – etwa in ihrer Immunantwort oder in anderen Bakterien im Rachenraum, die eine solche Keimträgerschaft begünstigen“, vermutete Cook, die korrespondierende Autorin der Studie.

    Der nächste Schritt in der Forschung besteht darin, andere Bakterien im Rachenraum der Kinder zu untersuchen, um festzustellen, ob diese eine Rolle beim Fortbestehen der Streptokokken-Besiedlung spielen.

    „Wir können die Keime im Rachen gesunder Kinder mit der von Kindern vergleichen, die Infektionen entwickeln, um zu sehen, ob wir die Keimträgerschaft vorhersagen oder verhindern können“, so Cook.

    Quellen: Newswise, Binghamton University (State University of New York), Cell Reports

  • Neugeborenen-Screening auf metachromatische Leukodystrophie (MLD): Deutliche Vorteile für betroffene Kinder

    Die metachromatische Leukodystrophie (MLD) ist eine seltene, genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung. Sie tritt meist bereits im Kleinkind- oder frühen Kindesalter auf führt zu schweren körperlichen und geistigen Einschränkungen, u. a. wegen des fortschreitenden Funktionsverlusts des zentralen und peripheren Nervensystems. In Deutschland geht man von 5 bis 16 neuen Fällen pro Jahr aus.

    Unbehandelt führt die Erkrankung meist innerhalb weniger Jahre zum Tod. Doch dank einer verfügbaren Gentherapie lassen sich nach einer Diagnose noch vor den ersten Symptomen bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder ausgeprägte Beschwerden und der frühe Tod verhindern.

    Einen erheblichen Zusatznutzen der Gentherapie bei MLD im späten Säuglings- oder frühen Kindesalter hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bereits Ende 2021 festgestellt. Dies führte in der Folge zur Frage nach dem Nutzen eines Neugeborenen-Screenings auf MLD. Die aktuelle IQWiG-Bewertung des Screenings beantwortet die Frage: Was bringen die frühere Diagnose und Behandlung durch Testen aller Neugeborenen gegenüber dem bisherigen Vorgehen ohne Screening für die MLD-Betroffenen?

    Der Effekt des Screenings ist deutlich für Kinder mit dem spätinfantilen MLD-Subtyp. Diese Gruppe entwickelt unbehandelt im Alter unter 30 Monaten Symptome. Vera Weingärtner, Supervision im Ressort Nichtmedikamentöse Verfahren, betont: „Etwa die Hälfte der Kinder mit MLD, und zwar die am schwersten Betroffenen, würden von einem Neugeborenen-Screening profitieren: Durch die frühe Diagnose vor Symptombeginn kann die verfügbare Gentherapie schwere Symptome und den frühen Tod bei fast allen diesen Kindern verhindern.“

    Das IQWiG hat auch die verschiedenen diagnostischen Testverfahren zur Früherkennung von MLD und zur Differenzierung der unterschiedlichen Verlaufsformen bewertet. Klar ist: Für die anderen drei MLD-Subtypen, bei denen die Erkrankung unbehandelt erst nach dem Alter von etwa 2,5 Jahren auftritt, ist dringend noch mehr Forschung erforderlich. Denn anhand der aktuell verfügbaren Daten ist unklar, ob ein Vorverlegen der Therapie auch diesen Kindern einen Vorteil bietet. Es fehlt insbesondere eine ausreichende Nachbeobachtung in teils noch laufenden Studien.

    Forschungslücken beim notwendigen Test zur Prognose des Krankheitsverlaufs

    Zeitlicher Krankheitsbeginn und Symptomlast variieren stark zwischen den verschiedenen MLD-Subtypen. Deshalb reicht das Screening allein nicht aus, um mit den Konsequenzen einer MLD-Diagnose wirksam umgehen zu können. Nach der Diagnose ist ein zusätzlicher Test erforderlich, um bereits vor Symptombeginn Informationen über die mögliche Verlaufsform zu erhalten – insbesondere, ob mit frühem oder späterem Einsetzen von Beschwerden zu rechnen ist. Denn davon hängen nicht nur Entscheidungen über konkrete Behandlungsoptionen ab, das Wissen ist auch essenziell für die individuelle Lebensplanung von betroffenen Kindern und deren Angehörigen.

    Erste Studienergebnisse dazu deuten zwar darauf hin, dass ein neuer Test einen frühen von einem späten MLD-Krankheitsbeginn unterscheiden kann, die Ergebnisse sind aber noch sehr unsicher, eine Testvalidierung fehlt noch. Ein Neugeborenen-Screening auf MLD sollte daher auch ein engmaschiges Monitoring aller identifizierten Kinder umfassen, um die Testverfahren, die Beratung der Eltern und die nachfolgende Behandlung weiter optimieren zu können.

    Das Neugeborenen-Screening auf MLD ist ein hochaktives Forschungsfeld: Wegweisende, teils noch laufende Studien sowohl zur Therapievorverlegung als auch zur diagnostischen Güte des Screeningtests auf MLD wurden z.T. erst während der IQWiG-Projektbearbeitung veröffentlicht. Damit bietet der vorliegende IQWiG-Bericht die momentan international neueste Aufbereitung der verfügbaren Erkenntnisse rund um das Neugeborenen-Screening.

    Zum Ablauf der Berichterstellung

    Der G-BA hat das IQWiG am 16.01.2025 mit der Bewertung der Neugeborenen-Screening auf Metachromatische Leukodystrophie (MLD) beauftragt. Die vorläufige Bewertung wurde am 25.03.2026 auf der Website des IQWiG veröffentlicht und zur Anhörung gestellt. Der nun veröffentlichte Abschlussbericht beinhaltet Änderungen, die sich aus der Anhörung und einer nachfolgenden Recherche ergeben haben.

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    Jens Flintrop - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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    Quellen: idw-online.de, IQWiG (1, 2)