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Welt-Neurodermitis-Tag: Neben Basispflege und Schulungen gewinnen moderne Medikamente an Bedeutung
Neurodermitis ist eine verbreitete chronische Hauterkrankung. Sie betrifft Menschen aller Altersgruppen, beginnt oft im Säuglings- und Kindesalter und hat einen massiven Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien. Das Zusammenspiel aus gestörter Hautbarriere und Entzündungsbereitschaft erfordert ein umfassendes Behandlungskonzept, das neben medizinischen Maßnahmen auch Schulungen miteinbezieht. Während die tägliche Basistherapie und topische Medikamente das Fundament der Behandlung bilden, ergänzen moderne Systemtherapien mit Biologika und JAK-Hemmern die Therapie schwerer Formen.
Neurodermitis, auch atopische Dermatitis (AD) genannt, ist die häufigste chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die alle Altersgruppen betrifft und sehr oft bereits im frühen Kindesalter auftritt. Nach Angaben des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) und der Techniker Krankenkasse (2021) haben in Deutschland 2,2 Mio. Erwachsene und 1,4 Mio. Kinder pro Jahr eine AD als Behandlungsdiagnose. Damit wären etwa 10 % aller Kinder und Jugendlichen betroffen. Bei den Erwachsenen sind es circa 2 %.
Klinisch zeigt sich die Erkrankung in Schüben: In akuten Phasen dominieren gerötete, entzündete und nässende Hautläsionen mit starker Krustenbildung und Neigung zu Superinfektionen, während im chronischen Verlauf sehr trockene, schuppende Haut und eine vergröberte Hautstruktur im Vordergrund stehen. In allen Stadien quält die Betroffenen ein starker, oft unerträglicher Juckreiz.
Je nach Ausprägung führt dies zu massiven Folgebelastungen wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen und depressiven Verstimmungen. „Die Belastung der Kinder und Jugendlichen reicht weit über den reinen Hautbefund hinaus. Zusätzlich zu Juckreiz, Entzündungen und dem zeitaufwendigen täglichen Eincremen erfahren die Betroffenen häufig Mobbing und Ausgrenzung. Teils bleiben sie dadurch auch in ihren schulischen Leistungen hinter ihren Möglichkeiten zurück“, erklärt Prof. Dr. med. Annika Vogt, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin und 1. Vorsitzende der AG Pädiatrische Dermatologie der DDG.
Das Erscheinungsbild der atopischen Dermatitis wandelt sich im Laufe des Lebens: Bei Säuglingen ist das Gesicht (insbesondere die Wangen) neben dem Kopf, dem Rumpf und den Streckseiten der Extremitäten typischerweise betroffen. Bei Klein- und Schulkindern verlagern sich die Ekzeme eher in die Körperbeugen (Kniekehlen, Ellenbeugen) sowie an die Halsregion, während bei Jugendlichen und Erwachsenen oft zusätzlich Hände, Füße oder wiederum das Gesicht hinzukommen.
Beginnt die Erkrankung im Säuglingsalter, kommt es ab dem Kleinkindalter häufig zu einer Verbesserung des Hautbildes. Nur ein Drittel der betroffenen Kinder benötigt langfristig teils intensive Behandlung. Die Expertin mahnt hier jedoch zur Differenzierung: „Es wäre falsch, die AD bei Säuglingen und Kleinkindern im Sinne eines ‚das wächst sich aus‘ zu bagatellisieren. Chronische Verläufe und schwere Ausprägungen erhöhen das Risiko für Gedeihstörungen.“ Zudem erhöht eine frühkindliche Neurodermitis-Vorgeschichte das Risiko für sogenannte Atopie-Karrieren, wie die Entwicklung von Asthma oder allergischer Rhinitis (Heuschnupfen).
Besonders belastend ist neben der erkrankten Haut der chronische Juckreiz, der bei Säuglingen und Kleinkindern direkt zu massiven Schlafstörungen führt, wovon Eltern dann ebenfalls stark betroffen sind. „Durch erschöpfte Eltern und Kinder entsteht zusätzlicher psychosozialer Stress, der sich wiederum als Triggerfaktor für neue Schübe auswirken kann“, so Vogt.
Die Basistherapie bildet bei Neurodermitis den Grundstein der Behandlung. Mit der Reinigung werden Krusten und anhaftende Bakterien mechanisch entfernt. Das Reinigungsmittel (Cleanser) sollte nicht reizend und frei von Allergenen sein. Cleanser gibt es als Syndets (das sind künstlich hergestellte waschaktive Substanzen) oder wässrige Lösungen. Auf die Frage, wie Eltern es mit dem Baden eines Säuglings halten sollten, hat Vogt eine klare Linie: „Wenn wir einen Säugling baden, ist das mehr als Reinigung, sondern auch ein Moment der Entspannung und Bindung. Längerer Wasserkontakt kann Schutzfaktoren aus der Hautbarriere lösen, sodass wir üblicherweise 2- bis 3-mal wöchentliches Baden mit nachfolgendem Eincremen empfehlen“, sagt Vogt. Die Badezeit sollte kurz sein und die Wassertemperatur nicht zu hoch.
Die sich anschließende Hautpflege hat das Ziel, trockene Haut mit Feuchtigkeit und Fetten zu versorgen. Cremes, Salben und Lotionen (Emollientien) kommen infrage. „Bei Säuglingen und Kleinkindern empfehlen wir, je nach Befund ein- bis zweimal am Tag Emollientien aufzutragen, im Sommer und bei Wärme leichtere Formulierungen als im Winter. Dabei ist Glycerin als Zusatz sehr gut geeignet“, sagt Vogt. Produkte mit Harnstoff (Urea) sollten im ersten und zweiten Lebensjahr vermieden werden.
Bei leichter bis mittelschwerer AD kann der zeitlich begrenzte Einsatz kortisonhaltiger Externa nötig und auch für den langfristigen Verlauf hilfreich sein. Die topischen Glukokortikosteroide sind weiterhin die wichtigsten Substanzen, um die Entzündung zu kontrollieren. Bei Säuglingen und Kleinkindern genügen zumeist mittelpotente Wirkstoffe, sie sollten aber integriert in ein Behandlungskonzept und begleitet von pädiatrischen oder dermatologischen Fachärztinnen/Fachärzten mit der entsprechenden Erfahrung in der Behandlung dieser Altersgruppe angewendet werden. Ebenfalls entzündungshemmend wirken die topischen Calcineurininhibitoren (Immunmodulatoren wie Tacrolimus und Pimecrolimus), die auch längere Zeit verwendet werden dürfen und zudem sehr gute Alternativen für empfindliche Hautregionen wie z. B. das Gesicht sind.
Bei mittelschwerem bis schwerem Erkrankungsverlauf können auch bei Kindern und Jugendlichen moderne Medikamente (Biologika und Januskinase-Hemmer) eingesetzt werden. Voraussetzung für den Einsatz ist neben der Schwere der Erkrankung, dass die alleinige topische Behandlung nicht erfolgreich ist. „Diese Wirkstoffe blockieren gezielt die Entzündungsbotenstoffe, stoppen rasch den starken Juckreiz und sind, nach allem, was wir wissen, im Vergleich zu älteren Medikamenten sehr sicher“, sagt Vogt. Die in Deutschland zugelassenen modernen Systemtherapeutika unterscheiden sich in der Darreichungsform (Spritze/Pen oder Tablette) und der jeweiligen Altersgruppe, für die das Medikament zugelassen ist. In der aktuellen S3-Leitlinie zur atopischen Dermatitis finden sich sowohl Übersichten mit Empfehlungen zu topischen Therapien der AD als auch zur antiinflammatorischen systemischen Langzeittherapie bei Kindern und Jugendlichen, die für eine Systemtherapie infrage kommen. „Erwähnt werden sollten zudem nichtmedikamentöse Behandlungen wie Schulungsprogramme und Rehabilitationsmaßnahmen. Sie können eine Behandlung sinnvoll ergänzen“, sagt Vogt.
Auch die Leitlinie empfiehlt qualitätsgesicherte Neurodermitis-Schulungen. „Die Wirksamkeit von Schulungen ist belegt. Sie helfen Kindern und Eltern gleichermaßen, einen guten Umgang mit der chronischen Erkrankung zu finden“, sagt Prof. Dr. med. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal und Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der DDG. Für betroffene Kinder zwischen 0-6 Jahren gibt es Elternschulungen. Sind die Kinder älter (7-12 Jahre), werden sie gemeinsam mit ihren Eltern geschult. Jugendliche von 13-18 Jahren werden allein informiert. In Deutschland werden diese von der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung e. V. angeboten. Die Kosten für diese Schulungen werden in der Regel auf Antrag von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.
All diese Elemente der Schulungen sind auch Bestandteil von Reha-Angeboten für Kinder und Jugendliche mit mittelschwerem bis schwerem atopischem Ekzem. Diese mehrwöchigen Aufenthalte finden in spezialisierten Rehakliniken statt.Für Hofmann ist der Welt-Neurodermitis-Tag aus einem weiteren Grund wichtig. „Betroffene Kinder und Jugendliche brauchen nicht nur eine individuell auf sie abgestimmte Therapie. Es ist auch wichtig, dass sie Akzeptanz und Unterstützung durch ihre Mitmenschen erfahren, denn die Belastung durch die chronische Hauterkrankung ist hoch und prägt den Alltag“, betont Hofmann. Der Welt-Neurodermitis-Tag macht in diesem Jahr unter dem Motto „Die unsichtbare Last überwinden“ (#BreakTheInvisibleBurden) auf diesen Umstand aufmerksam.
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Dagmar Arnold - Geschäftsstelle, Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG)
___________Quellen: idw-onine.de, DDG
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Hörtests bei Neugeborenen – G-BA verbessert das Früherkennungsangebot
Dazu Dr. med. Bernhard van Treeck, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung: „In Deutschland werden etwa 2 von 1000 Kindern mit einer Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit geboren. Um eine solche Hörstörung sehr früh zu erkennen, bieten alle gesetzlichen Krankenkassen seit 2009 ein Screening an. Denn je schneller eine Hörstörung erkannt wird, desto schneller kann im Sinne des Kindes reagiert werden. Die jetzt beschlossenen Anpassungen sind das Ergebnis einer systematischen Überprüfung aller Screening-Bausteine. Wir werden unserem Ziel näherkommen, mit der qualitätsgesicherten Kontrolluntersuchung der auffälligen Erstbefunde das Hörscreening deutlich zu verbessern. Nicht erkannte und unbehandelte Einschränkungen beim Hören prägen das Aufwachsen eines Kindes enorm: Sie erschweren das Sprechen lernen und die persönliche und soziale Entwicklung. Hier wollen wir frühzeitig gegensteuern und Unterstützung anbieten.“
Was ändert sich?
Kein Wechsel des Testverfahrens zwischen Erst- und Kontrolluntersuchung
Für das Neugeborenen-Hörscreening können grundsätzlich zwei Verfahren angewendet werden: die Messung der sogenannten otoakustischen Emissionen oder die Hirnstammaudiometrie. Bislang musste ein auffälliges Ergebnis der Erstuntersuchung zwingend mit einer Hirnstammaudiometrie kontrolliert werden. Die Evaluation hat gezeigt, dass diese Vorgabe in der Praxis eine zu hohe Hürde ist und Kontrolluntersuchungen manchmal gänzlich unterbleiben. Um den Abklärungsprozess möglichst nicht abbrechen zu lassen, sieht die Richtlinie nun vor, dass für Erst- und Kontrolluntersuchung dasselbe Messverfahren anzuwenden ist. Zukünftig ist die Messung der otoakustischen Emissionen also auch als Kontrolluntersuchung möglich.
Anzahl der Testversuche bei der Erstuntersuchung
Der Test einer Erstuntersuchung kann misslingen, weil das Neugeborene beispielsweise unruhig ist oder sich Flüssigkeit in seinem Ohr befindet. Bislang ist nicht geregelt, wie viele Testversuche bei der Erstuntersuchung sinnvoll sind. Der G-BA stellt nun klar, dass die Erstuntersuchung maximal drei Testversuche pro Ohr umfassen darf. Sind die Tests auffällig, muss es eine Kontrolluntersuchung geben. Darüber hinaus wird klargestellt, dass auch einseitig auffällige Tests eine Kontrolluntersuchung und ggf. eine Abklärungsdiagnostik erfordern.
Vorgaben zur KontrolluntersuchungBislang war nicht definiert, in welchem zeitlichen Abstand ein auffälliges Testergebnis der Erstuntersuchung kontrolliert wird. Der G-BA legt jetzt fest, dass die Kontrolluntersuchung frühestens fünf Stunden nach der Erstuntersuchung und spätestens bis zur U2-Untersuchung stattfinden soll. Klargestellt wird zudem, dass die Untersuchung immer an beiden Ohren und mit maximal drei Testversuchen pro Ohr erfolgen muss.
Ab wann gelten die Änderungen?
Der Beschluss wurde dem Bundesministerium für Gesundheit zur rechtlichen Prüfung vorgelegt. Nach seiner Nichtbeanstandung wurde er im Bundesanzeiger am 19.08.26 veröffentlicht und ist damit in Kraft getreten.
Hintergrund: Früherkennung von angeborenen Hörstörungen
Angeborene Hörstörungen lassen sich in den meisten Fällen zwar nicht heilen, aber wirksam behandeln, sodass das betroffene Kind weitgehend normal am Leben teilhaben kann. Dazu ist meist die Versorgung mit einem oder zwei Hörgeräten nötig, manchmal auch eine Operation des Mittelohrs oder eine Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (elektronische Innenohr-Prothese). Wichtig ist ebenso eine Frühförderung des Hörens und das Erlernen der Gebärdensprache. All diese Behandlungen sind umso wirksamer, je früher sie erfolgen.
Um angeborene Hörstörungen frühzeitig zu erkennen, nahm der G-BA zum 1. Januar 2009 das Neugeborenen-Hörscreening in die Kinder-Richtlinie auf. Der G-BA legt unter anderem fest, wann die Untersuchung stattfinden soll, welche Messverfahren anzuwenden sind und wie mit auffälligen Screening-Ergebnissen umzugehen ist.
Quellen: GB-A, BAnz AT 19.08.2026 B3
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E-Bike-Verletzungen nehmen bei US-amerikanischen Jugendlichen zu
Die AAOS-Pressemitteilung berichtet von einer Zunahme der E-Bike-bedingten Verletzungen bei Jugendlichen um über 300% im Zeitraum von 2017 bis 2023.
Die Analyse basiert auf Daten eines pädiatrischen Level-1-Traumazentrums (höchste Versorgungsstufe für Kinderkliniken in den USA – vergleichbar mit einem „Maximalversorger“ speziell für Kinder) in San Diego (Rady Children’s Hospital / University of California San Diego). Insgesamt wurden 338 Kinder und Jugendliche untersucht, die zwischen 2017 und 2023 aufgrund von Fahrradunfällen behandelt wurden.
Dabei zeigte sich, dass Patient*innen nach E-Bike-Unfällen im Durchschnitt älter waren als jene nach Unfällen mit herkömmlichen Fahrrädern (12,6 vs. 10,3 Jahre). Zudem wiesen sie häufiger einen höheren sozioökonomischen Status auf, was möglicherweise mit den höheren Anschaffungskosten von E-Bikes zusammenhängt.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass E-Bike-Unfälle häufiger mit schweren orthopädischen Verletzungen einhergehen. Betroffene erlitten insbesondere häufiger Verletzungen der Extremitäten sowie Knochenbrüche als Gleichaltrige nach Unfällen mit klassischen Fahrrädern.
Diese Verletzungen sind klinisch relevant, da sie oft eine operative Versorgung, einen Krankenhausaufenthalt und anschließende Rehabilitation erfordern. Mehrfachverletzungen können die postoperative Mobilisierung erheblich erschweren und führen nicht selten zu längeren Ausfallzeiten in Schule und Alltag. Als mögliche Ursache für die erhöhte Verletzungsschwere wird unter anderem die höhere Geschwindigkeit von E-Bikes diskutiert. Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft den Helmgebrauch: Kinder und Jugendliche auf E-Bikes trugen häufiger einen Helm als Nutzer*innen herkömmlicher Fahrräder. Gleichzeitig wurden Kopfverletzungen häufiger bei klassischen Fahrradunfällen beobachtet.
Die Autor*innen betonen, dass mit der zunehmenden Verbreitung und sinkenden Kosten von E-Bikes künftig mit weiter steigenden Verletzungszahlen zu rechnen ist. Daher könnten präventive Maßnahmen wie Regulierungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie Schulungen zum sicheren Fahren an Bedeutung gewinnen.
Quellen: healio.com, News release of the American Academy of Orthopaedic Surgeons Annual Meeting